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Die Reise ins Glück

D 2004; R: Wenzel Storch

23.03.2009, 10:37, Text: Frank Apunkt Schneider

Endlich kommt die DVD-Retrospektive von Wenzel Storchs Filmen in die Gänge. Der Rest folgt demnächst - "demnächst" ist in Storchs Welt allerdings ein dehnbarer Begriff.

Schuld war das ausufernde Bonusmaterial der Kaufversion, das dennoch essenzieller Bestandteil der Geschichte vom Kulturkampf zwischen dem Seebär-Nomaden Kapitän Gustav (im biodiversen Schneckenschiff) und dem rokokoesk überbackenen Unrechtsregime von König Knuffi ist. Viele der verschlungenen Details von Handlung und Kulisse erschließen sich erst übers Making-of.


Die schwindelerregenden Detail- und Ausstattungsrhizome des Films sind nur die Spitze des Eisbergs, vieles wurde geschnitten oder von der Kamera nur kurz gestreift. Eben dieser Wahnsinn bedarf akribischer filmhistorischer Dokumentation. Zudem rückt das Team als prekäre Utopie bzw. Sozialplastik in den Fokus. Das eint AutorInnen- und Trash-Film. Storch fällt zwischen diese Kategorien. Für das eine fehlt ihm der spröde Kunstwille, für das andere hat er entschieden zu viel Fassbinderness und Vision auf Lager. Wie vor ihm eigentlich nur Herbert Achternbusch und Helge Schneider errichtet er sich im Dazwischen einen Freiraum, der zeigt, inwiefern der deutsche Gegenwartsfilm nur die fünfte Kolonne von ProSieben ist. Bekanntlich sieht die dort erzählte Welt aus, als säße Dieter Bohlen bei ihr in der Jury. Auf der Flucht vor dieser Welt ist Storch mit seinem bislang letzten Film beim Märchen angekommen. Das dazugehörige Märchenland ist zu etwa gleichen Teilen aus Drogenerfahrung, Surrealismus und über die Jahre aus dem Leim gegangenen Elementen des Kinderfernsehens der 70er errichtet. Und wir verstehen: Die Wunschmaschine "Film" ist nicht tot, sie muss nur neu zusammengebaut werden.

Die Reise ins Glück (D 2004; R: Wenzel Storch; D: Wenzel Storch, Matthias Hänisch; nur bei www.cinemasurreal.com erhältlich)



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aus Intro #170 (April 2009)
 
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