Nicht jedes Buch
Intro und TUBUK präsentieren die Buchtipps im März!
20.03.2009, 11:11, Text:
Paula Fuchs
Promotion
Im März flattern die Bücher ins Haus wie Schmetterlinge durch die Bäuche von Verliebten. Wir empfehlen elegischen Südstaaten-Blues, skandinavische Anthropologie, kompakte Finanzberatung und offen gelegte Geheimnisse aus dem Krieg gegen den Terror.
Donald Windham "Dog Star" (Lilienfeld, 220 S., EUR 19,90) - Ein Coming-Home-Roman der besten Sorte: Klare Sätze, von denen kein einziger sinnlos herumsteht. Gemeinsam schieben sie den Karren von Sorgen und Gedanken des Protagonisten langsam durch eine vor Hitze flirrende Erzählung. Atlanta, 30er-Jahre, Blackie, 15 Jahre alt, kehrt nach Hause zurück. Alles ist wie früher, die Mutter sein "Feind". Und doch ist alles anders, in Blackie regt sich ein "sentimentaler Widerstand gegen die Vergangenheit". Der Roman erzählt Blackies Selbstfindungsprozess kurzweilig und konzis, wie eine über 200-seitige amerikanische Short Story. Autor Donald Windham macht seinen Kumpels Truman Capote und Tennessee Williams mit dem 1948 vollendeten Debüt keine Schande.
Matias Faldbakken "Unfun" (Blumenbar, 272 S., EUR 19,90) - Libertärer Houellebecq oder skandinavischer Misanthrop? In Matias Faldbakkens dreiteiligem "Gesellschaftsporno" steckt das Erzähltempo der 80er-Science-Fiction. Seine Milieus sind pulp-kompatibel. Teil drei, "Unfun" (nach "The Cocka Hola Company", "Macht und Rebel"), handelt von Anarchistin Lucy und Ex-Gatte Slaktus, Entwickler des Online-Slasher-Games "Deathbox". Faldbakken rollt in "Unfun" Fragen nach moralischen Grundfesten und familiären Konstrukten auf. Man fragt sich außerdem, ob er mit solchen Sätzen ins "Herz der Gegenwart" oder einfach ins "Herz der Finsternis" zielt: "... ein blassgelbes Kondom hängt am Hals einer der Wodkaflaschen, als würde sie eine Krawatte tragen." Big Fun!
PS: Matias Faldbakken ist vom 22. bis 24.04. auf Deutschland-Tour - am 23.04. in der Kölner Klubbar King Georg im Gespräch mit Intro-Redakteur Wolfgang Frömberg.
Caspar Dohmen "Let's Make Money" (Orange Press, 192 S., EUR 20) - Der Untertitel gibt die Richtung dieser populärwissenschaftlichen Welterklärung an: "Was macht die Bank mit unserem Geld?" Erwin Wagenhofers gleichnamiger Dokumentarfilm lieferte Autor Caspar Dohmen die perfekte Vorlage, das Thema zu vertiefen. Heute ist Materialismus ein Schimpfwort für die virtuelle Sekte derjenigen, die sich Zeit ihres Lebens in Raffgier üben. Aber Geld regiert tatsächlich die Welt, da hilft kein Idealismus, das wusste schon Karl Marx. Wem ein BWL-Studium zu langweilig ist, aber Fragen rund ums Geld auf dem Herzen liegen, dem wird hier geholfen. Mit ausführlichen Bonus-Tracks: Glossar zur Finanzsprache, Abbildungen aus dem Film und Beitrag von Erwin Wagenhofer.
Jon Ronson "Durch die Wand" (Salis, 240 S., EUR 16,90) - Das Schöne an den geheimen Umtrieben der Geheimdienste ist, dass sie irgendwann ans Licht kommen. Im besten Fall werden sie von gewieften investigativen Journalisten wie Jon Ronson in amüsanter Manier aufbereitet. Ronson kann eigentlich alles - Fernsehen, Bücher, Radio - und versteht sich vor allem aufs Zuspitzen. Seinem Bestseller "Radikal - Unterwegs mit Extremisten" setzt er nun die Einfälle von US-Militärs im Kampf gegen den Terror entgegen. Unter anderem erfahren wir von einem Ziegenlabor, einem Spukhaus, einem lila Dinosaurier - und tauchen ein in eine bizarre Welt namens Amerika. In "Durch die Wand" kommen mehr Ideen für Science-Fiction-Romane vor, als ein SF-Autor sich je ausdenken könnte.

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