Becks letzter Sommer
von Benedict Wells
02.02.2009, 18:22, Text:
Kerstin Fritzsche
Robert Beck ist 37 Jahre alt, Musiklehrer in München und lebt Herr-Lehmann-mäßig in den Tag. Außerdem ist er ledig und Gelegenheitsgitarrenspieler. Bei seinen Schülern ist er beliebt, da er authentisch wirkt und teils unkonventionellen Unterricht macht.
Aber Beck selbst fühlt sich als Loser. Denn er ist nur Lehrer geworden, weil sein großer Rockstartraum durch einen Streit mit seiner damaligen Band früh und abrupt endete. Seitdem klappt das mit den Frauen auch nicht mehr richtig. Oder überhaupt mit Zwischenmenschlichem. Um genau zu sein, ist Charlie, den Beck schon von Bandtagen und länger kennt, sein einziger Freund. Dann kommt der 17-jährige Litauer Rauli in eine von Becks Klassen, und alles dreht sich noch mal zurück auf Los. Denn Rauli hat das Zeug zum Gitarrengott - das merkt Beck sofort und nimmt den Jungen fortan unter seine Fittiche. Durch Rauli beginnt Beck wieder zu leben, er möchte dessen Manager werden. Eine Zeit lang sieht es gut aus. Sogar das Liebesglück kehrt in Form der schönen Lara zu Beck zurück. Doch dann, zwischen den Proben im Musikraum der Schule und dem großen Deal mit BMG, eskaliert auf einer abenteuerlichen Fahrt in die Türkei alles.
Dem erst 24-jährigen Wells ist mit seinem Debüt eine vergnügliche, rasante Mischung aus Coming-of-age-Roman und Roadmovie gelungen. Jedoch holpert's stellenweise bei den Dialogen und in der Handlung. Erstaunlich souverän beschreibt Wells Gedanken, Handlungen und Midlife-Crisis seines 37-jährigen Antihelden, sodass man sich wünscht, er hätte auch ein wenig mehr Zeit auf die Schärfung der anderen Figuren verwendet. Am Ende steht - gar nicht anmaßend moralisch oder naseweis - eine Handlungsanweisung fürs Leben jenseits aller Altersgrenzen: You got the sound, just mix it, baby!
Benedict Wells "Becks letzter Sommer" (Diogenes, 464 S., EUR 19,90)
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