Heinz Strunk
Die Zunge Europas
01.12.2008, 18:36, Text:
linus volkmann, Foto: Susanna Goonawardarna
[2 Kommentare]
Vor gar nicht allzu langer Zeit in der abgründigen Kneipe. Ein glänzendes Alltagsgespräch über Heinz Strunks neuen Roman. Und hier ist es. Wort für Wort protokolliert.
Ein Buch lesen, das dich genau so gut unterhält wie ein aufregender, abgründiger Kneipenabend. Das gelang Heinz Strunk zweifelsohne mit seinem Debüt "Fleisch ist mein Gemüse". Der vogelige Strunk war natürlich schon vorher total lustig - mit diesem Hang zum Tragisch-Genialischen. Seit dem Romanerfolg wissen das nun aber auch endlich alle. Super. Zeit zum Durchatmen. Obwohl: Eigentlich nicht, denn seit Strunk oben statt unten schwimmt, hat er noch viel mehr rausgehauen. Hörspiele, einen eigenen Film, nicht zu vergessen natürlich die Gastrolle bei der (mäßigen) Umsetzung von "Gemüse" für die Leinwand und sonstwas. Und jetzt schon wieder Druck aufs neue Kerngeschäft: Das Buch danach. "Die Zunge Europas". Lustiger Titel! Das sollte man wirklich mal lesen, denke ich. Die Leute wollen nämlich - genau wie ich - wissen, was ist denn in dem neuen für mich drin. Wenn ich das nur wüsste! Gehe am besten mal in die aufregende, abgründige Kneipe. Und tatsächlich, es hilft. Treffe auf eine Hamburger Künstlerin, die das Ding gerade fertig gelesen hat. Ha! Das soll sie uns mal alles genauer erzählen. Bei Büchern glaubt man doch anderen viel eher zum Beispiel bei Musik.
Also, wovon verdammt handelt das Buch überhaupt?
Von einem heißen Sommer und dem mittelalten Gagschreiber Martin Erdmann. Der ist ein bisschen unglücklich und irgendwie in so einen Loop des Eingeschliffenen geraten. Dazu gehören uncoolerweise auch das Sonntagsmittagessen mit den Großeltern und der Alibivorratseinkauf am Montag. Zwischendurch gibt es Exzess und Rausch auf dem Kiez und am Ende regnet es dann noch.
Wie unterscheidet sich der neue Hauptdarsteller von dem aus "Gemüse"? Gell, der neue ist Gagschreiber?
Ja, genau. Außerdem hat er mit der gemeinen Adipositas zu kämpfen. Das ist auch der Grund, weshalb er so gern Cord trägt. Das ist nämlich "das Chitin des kleinen Mannes".
Wie ist es denn im direkten Vergleich zum Vorgänger?
Vielleicht etwas weniger stringent und an manchen Stellen auch mal sehr kryptisch. Aber die Gags kommen dann doch wieder geil pointiert und knackig.
Hast du eine besondere Szene in Erinnerung, vielleicht eine lustige?
Wahrscheinlich finden viele den St.-Pauli-Ausgehabend am tollsten. Aber ich mag, wo sich Erdmann mit seiner Langzeitfreundin über das langweiligste Geschenk der Welt streitet (Gewürzbord oder Schweizer Taschenmesser). Sie ist dabei total barsch zu ihm, weil er sich so gestelzt ausdrückt. Und er dann so: "Ich gebe mir lediglich Mühe, auch Alltagsgesprächen einen gewissen Glanz zu verleihen." Das fand ich schön.
Linus Volkmann, Christin Schalko
Heinz Strunk "Die Zunge Europas" (Rowohlt, 320 S., EUR 19,90)
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Synapsenkitzler_de 08.12.2008 | 20:33:23
Synapsenkitzler
Ich habe mir das Hörbuch in 3 Tagen ganz angehört.
Hoch empfehlenswert und wieder sehr neuartig komisch und unterhaltsam.
Polarstern 09.12.2008 | 16:20:43
Mich hat das Buch leider nicht so richtig vom Stuhl gerissen, die Beschreibung des Dates mit im letzten Abschnitt mochte ich gern -aber der Großteil der (ziemlich überschaubaren) Geschichte hat mich eher gelangweilt.





