Enno Stahl
Diese Seelen
28.11.2008, 17:40, Text:
linus volkmann
Ah, da kann man die kraftvollen Begriffe aufperlen lassen wie Stacheln am Stacheldraht: Ferropolis, die Stadt aus Eisen; Enno Stahl, der Iron Man der Post-Social-Beat-Szene.
Letzterer lebt in Köln und schreibt. Dieses und jenes, um nicht alles zu nennen. Sein neuer Roman "Diese Seelen" spiegelt das prekäre Leben rund um überqualifizierte Geisteswissenschaftler, smarte Journalisten und verzweifelte Künstler. Die Kulisse von drohender Verarmung und dem neoliberalen Imperativ zu Selbstverantwortung und Selbsterschaffung macht dabei alles nicht gerade leichter. Aber hey, soll King Stahl doch einfach selbst mal davon künden!
Neben "Diese Seelen" erscheint auch noch das Pop-Standort-Theorie-Sachbuch "Pop in R(h)einkultur" (siehe letzte Ausgabe). Außerdem hast du einen echten Job. Bist du Workaholic?
Nein.
Prekarisierte Lebensverhältnisse zeigst du im Buch auch im universitären Betrieb auf. Wie siehst du das überhaupt?
So läuft es eben, wenn die Menschen nichts dagegen tun, dass sie derart in die Ecke gedrängt werden und immer nur mal einer von 300 aus der hechelnd-konkurrierenden Masse rausgezogen wird und der darf mit ins Raumschiff, das dann abhebt. Es gibt keine Mitsprache mehr, keine Partizipation. Max Stirner sinngemäß: Freiheit kann niemand vergeben, man muss sie sich nehmen.
Teil mit uns doch bitte deinen Lieblingssatz des neuen Buchs.
"Die Asiatisierung der westlichen Welt schritt indes voran." Tut sie nämlich wirklich. Jeder muss sehen, wo er bleibt und wie er sein Auskommen fristet. Keine Sicherheiten mehr.
Und welcher gefällt dir eigentlich doch nicht so gut (mehr)?
"Ausziehen! Alles, was Schwänze hat, sofort ausziehen!"
Enno Stahl
Diese Seelen (Verbrecher Verlag, 272 S., EUR 24,80)
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen





