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Jochen Rausch

Restlicht

17.09.2008, 16:00, Text: Dörte Miosga

Liebe macht blind und taub. Versuche an Mottenmännchen haben ergeben: Haben sie einmal den Duft eines Weibchens erschnuppert, reagieren sie praktisch nicht mehr auf ihre Umwelt, nicht einmal auf drohende Gefahren.

Ähnlich ergeht es Peter Blum, als er sich im Sommer 1975 mit 19 Jahren in die Dorfschönheit Astrid verliebt. Der jugendliche Trottel sieht in ihr seine große Liebe, doch Freundin Astrid vergnügt sich auch anderweitig. Von einem Tag auf den anderen verschwindet das Mädchen aus gutem Hause spurlos. Peter und ihr Vater suchen sie monatelang, vergeblich.


"Was einfach so verschwindet, verschwindet nie ganz. Wer ohne Abschied geht, wird nicht vergessen." Weder Peter noch Astrids Vater kommen mit dem Verlust klar: Der Vater wirft sich vor einen Zug, und Peter wandert aus in die USA, wo er nach wenigen Jahren als erfolgreicher Fotograf mit Frau und Tochter lebt. Doch auch nach 30 Jahren hat er seine Jugendliebe nie wirklich vergessen. Als Peters Vater im Sterben liegt, kehrt Peter in seine Heimat zurück, und sofort werden die schmerzvollen Erinnerungen wach: Was ist damals geschehen, dass Astrid ohne ein Wort abgehauen ist? Und dann wird das Skelett einer Frau gefunden, die vor 30 Jahren ermordet wurde. Peter sieht sich alte Fotos an, spricht mit Bekannten von damals, und neben der Wahrheit über Astrid kommt ihm langsam ein grausamer Verdacht, doch natürlich wird er durch seine Nachforschungen selbst zum Mord-Verdächtigen.

Dem Journalisten Jochen Rausch ist mit seinem Erstling ein thrillerartiger Roman gelungen, der teilweise etwas schwermütig daherkommt, den man aber trotzdem bis zum letzten Wort nicht aus der Hand legt. Und der Roman beweist, dass wir den Motten ganz ähnlich sind: Liebe macht blind, und wir fliegen ahnungslos ins Licht, auch wenn es eine tödliche Falle ist.

Jochen Rausch "Restlicht" (Kiepenheuer & Witsch, 288 S., EUR 8,95)




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aus Intro #165 (Oktober 2008)
 
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