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Jochen Bonz

Subjekte des Tracks

18.08.2008, 15:42, Text: Sebastian Ingenhoff
[11 Kommentare]

Jochen Bonz tanzt gern und legt französische Psychoanalyse auf. Er schickt Begehren, Spiegelstadium und das Reale auf die Tanzfläche. Intro-Chef-Hedonist Sebastian Ingenhoff schreibt mit.

Jochen Bonz widmet sich mit Hilfe des französischen Psychoanalytikers und (Post-) Strukturalisten Jacques Lacan einer Kulturgeschichte des Tracks. Clubkultur mit Lacan gedacht ist tatsächlich ein eher neuer Hut. Ging es doch lange Zeit vielen darum, Techno mit den Worten des großen Lacan'schen Antipoden Gilles Deleuze zu erklären. Eines der wichtigsten Genrelabels überhaupt, Mille Plateaux, wurde von Gründer Achim Szepanski gar nach dem Hauptwerk des Franzosen benannt.


Wir erinnern uns: Deterritorialisierung und organloser Körper statt festes Subjekt und Melodien. Die Abschaffung der hierarchischen Topografie der Bühne. Der Klang als reine Möglichkeit. All das wurde auf zahlreichen umnebelten Afterhours bis zur Erschöpfung durchdekliniert. "Das Ethos der Ecstasy-Kultur: egalitäre Einheit und Verbindung, die Vorstellung, das eigene Ego im hypnotischen Fluss der Musik abzustoßen und mit der Masse zu verschmelzen." So unverblümt deleuzianisch hatte Postpunk-Chronist Simon Reynolds noch das bunte Rave-Getümmel resümiert. Bonz hingegen schickt Begehren, Spiegelstadium und das Reale auf die Tanzfläche.

Die Lacan'schen Begriffe werden relativ frei übernommen und im clubkulturellen Kontext neu aufgestellt. Das Subjekt tritt nach Bonz in jenen ekstatischen Nächten nämlich nicht den deleuzianischen Verschwindibus an, sondern erlebt die pure jouissance. Ein Begriff, der sich am ehesten mit "Genießen" übersetzen lässt. Die jouissance als die unmittelbare Befriedigung, die "Wol-lust", der Bereich, in dem sich das Subjekt der symbolischen Ordnung entzieht und dem Bereich des Realen annähert wie sonst nur im Traum, der Sexualität oder dem Tod.

Doch der Kontakt mit dem Realen, das sich im Lacan'schen Sinne erst an den Grenzen der gewöhnlichen Realität manifestiert, kann immer nur flüchtig sein, dauerhaft führt(e) er eben zum Exitus. Utopie und Dystopie tanzen also stets in inniger Umarmung. Jochen Bonz, der vielen als Herausgeber und Autor verschiedener (Pop-) Kulturtheoriewerke ein Begriff sein dürfte, hat diese Arbeit auch als Dissertation eingereicht. Trotz seiner wissenschaftlichen Mission bleibt Bonz immer darauf bedacht, aus der Warte des begeisterten Tänzers und Fans zu schreiben. Als Bonus gibt es zwei gemütlich-verkiffte Interviews mit Hans Nieswandt sowie einen Hausbesuch bei der Heidelberger Technoinstanz Move D.

Jochen Bonz "Subjekte des Tracks" (Kulturverlag Kadmos, 166 S., Euro 15)



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aus Intro #164 (September 2008)
 
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  • 04.09.2008 | 16:26:58

    Hallo,

    ich bin ziemlich entsetzt über die art und weise wie deleuze in diesem artikel interpretiert wird. wenn deleuze - der seine bekanntesten werke mit dem französischen psychoanalytiker felix guattari verfasst hat (hätte man - auch bei der kürze des artikels - erwähnen sollen) - theorie - von wem auch immer - hergenommen wird, um ein mit der masse verschmelzen oder einen "deleuziansichen Verschwindibus" zu erklären, hat seine werke entweder nicht verstanden oder schlichtweg nicht gelesen. wie vorallem im quasi ersten teil von tausend plateaus - dem anti ödipus - mehr als deutlich gemacht wird, kann das subjekt in diesem denken nicht verschmelzen, da es sich letztlich aus partialobjekten speist, ein schizo ist (ein gespaltenes / schizes = spalten)), das von vornherein zerteilt ist (was im übrigen lacans vorstellung vom subjekt sehr nahekommt (siehe den text zum spiegelstadium). das ganze, mit dem man verschmelzen könnte, existiert nicht als letzte zuflucht oder urgrund. höchstens als flucht vor der konkretheit der teile. deleuze guattari denken es als ein extra, ein anhängsel, ein produkt der teile. das ganze ist also auch nur ein teil der teile, welches ihnen übergstülpt wird.

    auch der begriff der jouissance wird hier meiner meinung nach nur sehr mäßig verstanden. diese ist nämlich immer auch gebrochen, und eben nicht durch befriedigung gekennzeichnet, sondern eher durch ständige wiederholung, einen gewissen stumpfsinn, fast schon eine zombiehaftigkeit. wir wir alle wissen, kann man auch scheisse genießen. gebrochen wird der genuss bei lacan durch den mangel, der ein begehren erweckt immer weiter zu machen, sich immer wieder zu sagen: nein, dass ist es nicht... nein, das ist es auch nicht. der genuss hält sich wohl eher an dem auf, von dem man glaubt: " das ist es"!

    eine letzte bemerkung noch zu den drei registern des imaginären / symbolischen / realen. wie ich es verstanden habe, ist es nicht möglich sich irgendeinem dieser register zu irgendeinem zeitpunkt zu entziehen. alle drei sind immer gegenwärtig, überlagern sich. deswegen kann man sich dem symbolischen nicht entziehen und ist das reale auch nicht an den grenzen der realität angesiedelt, sondern mitten drin.

    bestes

    James Freud

  • weiche zäune 05.09.2008 | 09:58:28
    love love love yeah
    ziemlich furchtbares buch und extrem furchtbarer artikel. und wieder mal erstaunlich mit wie wenig unverstandenem halbwissen man in deutschland eine akademische karriere machen kann, wenn irgendwo "popkultur" drin steht. auf der co/pop gabs ne ganz aufschlussreiche diskussion darüber wie groß das hiesige defizit an theoretischer (gemeint war: akademischer, vorwiegend systemtheoretischer) aufarbeitung von popmusik und verwandtem so ist (der kulturrelativistische postitivismus der in den neunziger mal en vogue war, holert usw. wurde da schon von vornherein ausgenommen und leute wie diederichsen existieren in der welt gar nicht). und so ein erbärmliches theoretisches mumbo-jumbo wie von bonz macht alles noch schlimmer. ein elend.

  • weiche zäune 05.09.2008 | 10:03:38
    love love love yeah
    und mr. freud: dem vemutlich ziemlich jungen und definitiv ziemlich unbedarften nachwuchsjournalist wollte ich die begrifflichen ungenauigkeiten gar nicht mal vorwerfen wollen, er weiss es einfach nicht besser und hat es vermutlich einfach nicht verstanden (was bei lacan ja auch nicht so ohne ist). dem bonz allerdings schon.

  • weiche zäune 05.09.2008 | 10:04:55
    love love love yeah
    ich muss jetzt dringend raus, die symbolische ordnung stürzen..

  • User: hatebag
  • hatebag 05.09.2008 | 12:02:39
    You're welcome
    Kann man zu Geschwurbel tanzen (ganz generell - nicht auf Bonz, dessen Buch ich nicht kenne, bezogen)?

  • User: schons
  • schons 05.09.2008 | 13:13:27

    ich bin da größtenteils mit weiche zäune.

  • User: james freud
  • james freud 09.09.2008 | 09:39:47

    guten tag,

    also, wenn jemand in so einem rahmen über etwas schreibt (egal ob zu thema lacan oder milch), dann sollte ersie es doch bitte etwas weniger beliebig tun. ich denke man hat als autor doch auch eine verantwortung der quelle und den lesern gegenüber. ob diese person jetzt 18 oder 78 ist finde ich dabei egal.

    bestes

    james freud

  • weiche zäune 09.09.2008 | 12:37:05
    love love love yeah
    stimme zu. auch weil ich grade gesehen habe, dass es sich um den selben (wohl doch nicht so jungen) autor handelt, der neulich einen vergleichbar ärgerlichen text zu dietmar dath im intro hatte.

    verestehe nicht, dass ein heller kopf wie wolfgang frömberg (aka intro kulturredaktion) sowas durchgehen lässt.

  • User: schons
  • schons 09.09.2008 | 12:54:21

    da haben wir eine meinungsdifferenz.

  • weiche zäune 17.09.2008 | 13:54:57
    love love love yeah
    späte anmerkung dazu: um jemanden für einen klugen menschen zu halten, muss ich nicht mit seinen ansichten konform gehen.

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