Olaf Kraemer
Ende einer Nacht
18.08.2008, 15:38, Text:
Tim Stüttgen
Es ist nicht einfach, dieses Buch vorbehaltlos zu genießen, wenn einen gleichzeitig die hoffnungslos überbewertete Jessica Schwarz als Romy Schneider auf der Bild-Zeitung anglotzt.
Anyway: Olaf Kraemer hat lange in L.A. gelebt und residiert nun in seiner Tätigkeit als freier Autor in München. Zum kommenden siebzigsten Geburtstag hat er - smart, wie er ist - dieses einfühlsame Büchlein über die letzten Stunden von Romys Leben geschrieben.
Nachdem von der Uschi-Obermaier-Bio, die er etwa parallel zum eher spackigen Film veröffentlicht hatte, 70.000 Exemplare verkauft wurden, ist "Ende einer Nacht" sein erster Roman. Zwischen Zerbrechlichkeit und Manie durchlebt Schneider in ihm die letzten Stunden ihres Lebens. Die Handlung: Sie soll ihre Memoiren schreiben. So wird sie zu einer Reise durch ihre Erinnerungen inspiriert. Es treten auf: die autoritäre Mutter, die immer noch in Hitler den guten Menschen sieht; die Lover wie der selbstzerstörerische Alain Delon; die Regisseure.
Natürlich ist auch ihre Schönheit Thema - und die Tabletten. Kraemer gelingt es nicht unbedingt, den zahlreichen bekannten Infos über Romy Schneider viele zuzufügen. Doch er findet die passenden Details, um einen Einblick in ihr melancholisches Herz zu gewähren. Kraemers sanfte Sprache, die die erschöpfte Sensibilität der Schneider berührend wiedergibt, lässt uns in ihre tragische Seele blicken. So scheint es jedenfalls. Und gelungener Schein ist eben eine der wichtigsten Eigenschaften nicht nur großer Schauspielerinnen, sondern auch guter Literatur. Mal abgesehen von dem wenig beeindruckendem Kalkül, sich an die Rockzipfel schöner Frauen bundesdeutscher Geschichte zu hängen: gutes Buch.
Olaf Kraemer "Ende einer Nacht" (Blumenbar, 200 S., EUR 17,90)
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