Niven Govinden
Graffiti My Soul
17.07.2008, 14:57, Text:
Dörte Miosga
"Menschen sind Gewohnheitstiere, vor allem alte Menschen über fünfunddreißig. Um sieben aufstehen, um Viertel nach sieben scheißen, um acht aus dem Haus, um eins Mittagessen, um sechs Abendessen, um Viertel vor elf ficken, um elf einschlafen."
Der zweite Roman des Briten Niven Govinden, "Graffiti My Soul", ist kein Kindergeburtstag. Der 15-jährige Veerapen aus Surrey in der englischen Provinz sieht und schildert als Ich-Erzähler seine Umgebung schonungslos. Nicht nur die Alten kriegen ihr Fett weg. Der Halb-Tamile/Halb-Jude Veerapen und seine Freunde prügeln auch gern mal ihre Mitschüler, deren Eltern oder fremde Supermarkt-Angestellte zu Boden. Der Verdienst wird per Foto oder Video auf dem Handy festgehalten - je nach Schwere der Straftat vergibt die Gruppe mehr oder weniger Belohnungspunkte. Erstaunlich, dass dieser abgebrühte Veerapen, dessen Vater vor Jahren mit der örtlichen Optikerin abgehauen ist, gleichzeitig sympathisch und zerbrechlich erscheint.
Sein Alltag ist so dermaßen hart, dass man echt nicht mit ihm tauschen möchte. Zu allem Übel ist er unsterblich in seine Mitschülerin Moon Suzuki verliebt, die natürlich auch durchtrieben wie die Nacht ist: Sie kommt zum Üben sexueller Varianten gern mal bei Veerapen vorbei, obwohl sie mit dessen Erzfeind Peason liiert ist. Und dann liegt Moon plötzlich erstochen auf dem Schulklo ... Das Geschehen mag selbst für englische Verhältnisse etwas übertrieben wirken, der schwarze Humor kommt so allerdings sehr deutlich zur Geltung.
(KiWi, 284 S., EUR 8,95)
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