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Margo Jefferson

Über Michael Jackson

17.07.2008, 14:49, Text: Wolfgang Frömberg

Ein Buch "Über Michael Jackson"? Ist zu dem Freak nicht bereits alles gesagt worden? Das ewige Argument der Routiniers zieht nicht, wenn man es besser weiß.

Jubiläen wirken in Sachen Legitimation neuer Gedanken zu alten Phänomenen manchmal Wunder. Anlass genug für die deutsche Veröffentlichung von Margo Jeffersons Essay dürfte Jacksons 50. Geburtstag im August sein. Will man sich nicht in die Nähe der verschnarchten 150-Jahre-Popfeiern des erweiterten Rock-Feuilletons einreihen, inlusive Prince- und Madonna-Celebration, bleibt einem die Kritik ihres smarten Textes aus dem Jahre 2006. Ein merkwürdiger Umstand ist Jackos Geburtstag allemal: Einerseits kommt er einem in den Sinn als das ewige Kind nach Vorbild von Peter Pan, andererseits wirkt Michael Jackson wie die Figur aus einer fernen Zeit, in der das Private noch anders mit dem Öffentlichen korrespondierte.


Die Reduzierung eines Stars auf die Gestalt im Rampenlicht führte in seinem Fall dazu, dass die Hintergründe des Erfolgs der Jackson Five um den besonders talentierten Michael zwar im öffentlichen Raum standen, die Geschichte vom skrupellosen Vater und die Fließband-Maschinerie des Motown-Labels dienten aber nur als plausibler Hintergrund der Selbstverwirklichung des "Michael Jackson". Oder muss man sagen: Selbstentwirklichung? Die von ihm kreierte Person wurde zunehmend isoliert. Ein Schicksal, das sie bald mit ihrem realen Alter Ego auf der Neverland-Ranch zu teilen schien. Als sich kaum noch unterscheiden ließ, von wem überhaupt die Rede war, wenn es um die bizarr anmutenden äußerlichen Veränderungen und die ersten Anschuldigungen bezüglich sexueller Belästigung ging, brach der Künstler selbst den Bann - und ließ just den sensationsgeilen Martin Bashir für eine Doku an sich ran. Sein trauriger Fall wurde mit dem Freispruch im Prozess, der durch seinen eigenen Tabubruch vor Bashirs Kamera provoziert worden war, hernach ebenso besiegelt wie das Ende der Gefahr durch Rock'n'Roll überhaupt - und dessen schwarzen Wurzeln.

Zum Tod der Ikone auf diesem Niveau hat die Pulitzer-Preisträgerin Jefferson einen möglichen Nachruf verfasst - voller Gedanken, die in dieser Form noch keiner hingeschrieben hat.


Margo Jefferson "Über Michael Jackson" (Berliner Taschenbuch Verlag, 176 S., EUR 9,90)



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aus Intro #163 (August 2008)
 
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