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Günter Amendt

Die Legende vom LSD

17.07.2008, 14:29, Text: Thomas Bläsen

Günter Amendts kleine LSD-Kulturgeschichte will sich nicht bei modernen Hippies oder anderen Acidheads anbiedern. Seine Aufklärungsarbeit nimmt das Wechselspiel der Erweiterung von Macht und Bewusstsein ins Visier: Politik, Militär, Mutterkorn.

Günter Amendts unterhaltsame "Legende vom LSD" erscheint ausgerechnet im Todesjahr des LSD-Gottvaters Albert Hofmann. Der segnete im stolzen Alter von 102 Jahren das Zeitliche und spielt in Amendts Buch eine ebenso zentrale Rolle wie Timothy Leary, die CIA, das Militär und die Hippies. Amendt will mit der Legende um die Wunderdroge aufräumen. Gekonnt begibt er sich in seine Lieblingsrolle des Aufklärers.


Den Leser erwartet eine Reise, die selbst für erfahrene Acidheads erkenntnisreich sein dürfte. Wer weiß etwa, dass die psychedelischen Protohippies Ken Kesey und Tim Leary als Teilnehmer eines staatlich geförderten und von der CIA kontrollierten Versuchsprogramms ihre ersten Erfahrungen mit Lysergsäure machen durften? Das wirft Fragen auf, die dem geneigten Psychonauten übel aufstoßen könnten - und wohl auch sollen. Amendt hat gut recherchiert. Er vertieft spannende Details - z. B. die Erforschung der Potenz von LSD in der DDR. Man gewinnt den Eindruck, ihm gehe es in seinem etwas mehr als 140 Seiten fassenden Buch vor allem um das Verhältnis der Droge zur Macht. Stimmt auch. Amendt ist nun mal Soziologe. Allerdings kann er es nicht verhindern, die in der Tat legendären Grateful Dead und Bob Dylan, die Beatles und William Burroughs sowie Walter Benjamins Experimente mit Haschisch zu erwähnen. Wenige Zeilen später kommt er jedoch immer wieder auf die DEA, CIA oder DDR zurück.

Selbstverständlich geht es Amendt in der Hauptsache um LSD. Um die wichtigen Personen, Hintergründe und zeitlichen Ereignisse, die für die (mediale) Verbreitung der Substanz verantwortlich waren. Die Rolle psychoaktiver Substanzen in der psychologischen Kriegsführung nimmt den Autor aber besonders gefangen. Dass die Nazis in KZs mit Meskalin experimentierten, hat natürlich nur bedingt etwas mit der Legende vom LSD zu tun. Daher ist der Titel vielleicht etwas irreführend, auch wenn Amendt den Einfluss der Droge auf die popkulturelle Produktion der 60er- und 70er-Jahre nicht negiert. Allerdings könnten Leser, die einen vergnüglichen Husarenritt durch den lustig-bunten Hippie-Mikrokosmos erwarten, einen ganz anderen Horrortrip erleben. Auch Leary-Fans werden keine allzu große Freude an dem Büchlein haben: Das Bild des Gurus wird gnadenlos dekonstruiert.


Günter Amendt "Die Legende vom LSD" (Zweitausendeins, 144 S., EUR 12,90)



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aus Intro #163 (August 2008)
 
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