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Boris Fust

Zwölf Stunden sind kein Tag

19.06.2008, 15:53, Text: Senta Best
[2 Kommentare]

Oh Herr, lass Gnade walten und das Unwort des Jahres aus einer pfiffigen Unwort-Kombination bestehen! Hier der unmenschliche Vorschlag: "Generation Praktikum". Für Einblicke in deren Innenleben sorgt Boris Fusts Praktikantenroman "Zwölf Stunden sind kein Tag".

Arne ist fertig studierter Praktikant, und als solcher ist es seine Aufgabe, in einer Agentur für Handytarif-Namensfindung die hirnverbrannten Ideen seines Chefs umzusetzen. Bei diesen "Innovationen" handelt es sich nicht nur um Extra-Handytarife für pubertierende HipHop-Gören, sondern auch um strahlenarme Holzhandys für Esoteriker und ähnlichen unüberlebenswichtigen Scheiß. Arne verdient 245,80 Euro. Im MONAT! Neben dieser Info erfährt der Leser einigen nichts zur Sache beitragenden, aber amüsant erzählten Kram. So wird schon mal auf zwei Seiten über die Bewerkstelligung einer Bartrasur referiert oder eine "kleine" Biografie über das Leben der gemeinen Bettwanze erzählt - unnützes Wissen hoch zehn, aber auch das will ja schließlich erst mal aufgeschrieben sein!


Selbstredend ist der Ex-Student verliebt in seine Mitpraktikantin Jeanette, und nicht mal der Umstand, dass sie mit Chef Christoph öfter in die Kiste gehüpft ist als mit ihm selbst, hält ihn ab von der unglücklichen Schwärmerei. Ja, nehmen denn die Pubertäts-Probleme nie ein Ende? Geldsorgen, Liebeskummer und all das geht immer weiter, selbst noch nach (erfolgreich) abgeschlossenem Studium.

Eine hoffnungslose Welt, in der sich Arne, sein Kumpel Pascal, Sabine, Jeanette und erst recht Arnes drogenabhängiger Nachbar da von einem Tag zum nächsten quälen. Nach einer durchzechten Nacht inklusive mittelschwerem Drogenkonsum & Co. bei seinem halbverrückten Chef wird Arne kurzfristig mitverrückt: Er entdeckt in einem Sperrmüll-Teddy eine neuartige Form von Al-Qaida-Terror. Kurz nachdem er die 110 gewählt hat, um die Teddybombe zu melden, kommt er noch mal schnell zur Vernunft. Klingt aus der Luft gegriffen? Amüsant sind die kurzen Ausbrecher aus der Geschichte eines Praktikanten allemal. Und schließlich ist der Rest vom (Praktikanten-) Leben schlimm genug. Und jetzt: Her mit der Gnade, oh Herr! Äh, bitte.



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aus Intro #162 (Juli 2008)
 
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  • User: hatebag
  • hatebag 05.09.2008 | 12:50:10
    You're welcome
    Oh Herr, lass Gnade walten und das Unwort des Jahres aus einer pfiffigen Unwort-Kombination bestehen! Hier der unmenschliche Vorschlag: "Generation Praktikum".

    Mein Vorschlag: Praktikantenroman ;)

    Editiert von hatebag am 05.09.2008 12:53:08

  • teenage_vampire 05.09.2008 | 14:08:55
    www.youtube.com/watch?v=EbjBHk
    wie steht herr fust dazu, dass er selber bei einem betrieb arbeitet, der praktikanten in etwa demselben maß entlohnt wie seinen fiktiven romancharakter?

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