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Hans-Christian Dany

Speed - Eine Gesellschaft auf Droge

20.06.2008, 15:40, Text: Lars Brinkmann
[2 Kommentare]

Hans-Christian Dany erzählt Lach- und Sachgeschichten rund um die verbotene Substanz Speed, die nicht aus der Mode zu kommen scheint. Sein Pageturner befasst sich mit einem Phänomen, das die Lahmarsch-Gesellschaft bis heute auf Trab hält.

Freunde von Primal Scream werden mit diesem Buch ihren Spaß haben. Denn Speed zählt(e) zu den Lieblingsdrogen von Bobby Gillespie und damit zum verlässlichen Treibmittel seiner 1982 gegründeten Band. Das signalisierten die Schotten 1997 mit ihrem Album "Vanishing Point" so überdeutlich, dass "Speed. Eine Gesellschaft auf Droge" als ein, wenn auch sehr verspäteter, so dennoch besonders gründlicher und gelungener Beitrag zur Primal-Scream-Forschung missverstanden werden könnte. Talkin bout produktive Missverständnisse: Von "Kowalski", der Hymne auf den Helden des Albumtitel-gebenden Speed-Roadmovies, über den wörtlich zu verstehenden "Motörhead" bis zur "Stuka", dem deutschen Sturmkampfbomber, der auf die Erfindung eines Speed-süchtigen Nazis zurückgeht, finden sich hier einige bemerkenswerte Beispiele.


Vom 1966 geborenen Hamburger Autoren Hans-Christian Dany in einem wundervoll unterspielten, zwischen sachlich und lakonisch changierenden Tonfall scheinbar "einfach so runtergeschrieben", geriet diesem die (Kultur-) Geschichte der funktionalsten Drogen aller Zeiten zu einem echten "Pageturner". Besonders beachtenswert ist, mit welcher Fülle an Informationen und Querverweisen Dany arbeitet. Neben Primal Scream und dem Film "Vanishing Point" (dt. "Fluchtpunkt San Francisco" / ost-dt. "Grenzpunkt Null") hagelt es nur so vor interessanten Geschichten, Episoden und fatalen Irrtümern.

Neben den gefühlten 1000 Künstlern und einer Handvoll Philosophen sorgen die globalen Pharma-Player und - natürlich - das Militär für Höhepunkte des Wahnsinns. Dabei bleiben weder die manipulativen Werbekampagnen der Pillendreher noch die zahlreichen, unter Ägide von Nazi-Ärzten und deren amerikanischen Nachfolgern durchgeführten Experimente unerwähnt. Doch Speed ist keineswegs ein Problem der Vergangenheit.

Erschreckend wird es, wenn Dany seinen Lesern klar beweist, wie ein Großteil unserer Gesellschaft immer noch durch Speed in immer wieder neuen Varianten wie z. B. Ritalin oder auch Provigil am Laufen gehalten wird. Am Ende möchte ihm sogar der überzeugte Speed-Fresser in mir zustimmen, wenn er - Achtung! Spoiler! - als Schlusswort schreibt: "In dieser abhängigen und auf Abhängigkeit gebauten Gesellschaft gibt es, allen faszinierenden Möglichkeiten von Drogen zum Trotz, gute Gründe, nüchtern zu bleiben."



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aus Intro #162 (Juli 2008)
 
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  • User: hatebag
  • hatebag 05.09.2008 | 12:34:39
    You're welcome
    Talkin bout produktive Missverständnisse, Pageturner etc.

    Ist das eine Persiflage auf den Schreibstil des Buchautors (habe das Buch nicht gelesen) oder was will uns der Rezensent und "überzeugte Speed-Fresser" eigentlich sagen?

    Editiert von hatebag am 05.09.2008 12:49:34

  • User: schons
  • schons 05.09.2008 | 13:08:52

    bei der lesung habe ich ein glas wein runtergeschmissen, aus versehen.

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