Sabine Biebl / Verena Mund / Heide Volkening (Hg.) - Working Girls. Zur Ökonomie von Liebe und Arbeit Artikelbild (groß)

Sabine Biebl / Verena Mund / Heide Volkening (Hg.)

Working Girls. Zur Ökonomie von Liebe und Arbeit

[Kadmos, 279 S., EUR 22,50]

21.05.2008, 18:14, Text: Annett Busch

Das Projekt "Working Girls" ist inzwischen über sechs Jahre alt: angefangen als Filmreihe von Dorothy Arzner, Stephanie Rothman bis "Ally McBeal" bei der Feminale im Jahr 2002, fortgesetzt als akademische Konferenz in München 2005 - und jetzt als Buch. Inmitten der gegenwärtigen Aufbruchstimmung eines noch unbestimmt neuen, aufgewärmten oder wiedereroberten Feminismus hat es ein Genre nicht gerade leicht: der Reader aus dem akademischen Umfeld. Was im angloamerikanischen Kontext mühelos mit dem Sexappeal der Cultural Studies ausstaffiert wird, gerät an deutschen Universitäten noch schnell in den Verdacht, dröge, abgehoben und alltagsfremd zu sein.



Muss aber nicht. "Working Girls. Zur Ökonomie von Liebe und Arbeit", herausgegeben von Sabine Biebl, Verena Mund und Heide Volkening, ist eine Art historischer Meta-Roman, der immer wieder an recht gegenwärtige und populäre Spannungsverhältnisse andockt. Wenn Charlotte Roche im Playboy selbstbewusst über "Feuchtgebiete", ihre Arbeit bei Viva, Porno und Mutterschaft plaudert und es ihr mühelos gelingt, die gesamte Bandbreite zu umreißen von Feminismus, romantischem Treueschwur und erfundener Schönheitsoperation, treibt sie das Verhältnis von Sexualität, Gender, Arbeit und Unterhaltungsindustrie genüsslich auf die Spitze ...

"Working Girls" ist ein Buch mit vielen Fußnoten, weniger pointiert, dafür öffnet es sich auf diese Weise in zig Richtungen. Die meisten Autorinnen und Autoren kommen aus dem Umfeld der Germanistik. Und von ihnen lernen heißt: genau lesen als Theorie und eben nicht Theorie inkorporieren. Worum geht es? Um das "Working Girl" als Tippmamsell (T.S. Eliott) oder als "Kunstseidenes Mädchen" (Irmgard Keun), "an der Theke", auf Postkarten, als Angestellte oder "not working", auf Urlaub in Italien. Und es geht auch darum, einem Unschärfebereich auf die Spur zu kommen. "Am Working Girl setzen ganz unterschiedliche Kräfteverhältnisse und Ordnungssysteme an: Arbeitsmarkt, Konsumwelt und Freizeitkultur wie Geschlechts-, Alters- und Familienverhältnisse, Sexualitätsdispositiv und Liebessemantik", so Heide Volkening in der Einführung. Rembert Hüser fragt in seinem "Postscript" nach der Veränderung des "working" und nimmt die Creative Industry unter die Lupe: "Die neue Girl-Avantgarde setzt sich aus Assoziationsspezialistinnen zusammen." Es geht weiter.


Sabine Biebl / Verena Mund / Heide Volkening (Hg.)
Working Girls. Zur Ökonomie von Liebe und Arbeit
Kadmos, 279 S., EUR 22,50



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aus Intro #161 (Juni 2008)
 
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