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Daniel Kulla

Entschwörungstheorie. Niemand regiert die Welt

[Der Grüne Zweig 254, Werner Pieper & The Gruene Kraft, 244 S., EUR 14,80]

11.04.2008, 18:05, Text: Lars Brinkmann

Dekonspiratione
Niemand regiert die Welt? Behaupten Verschwörungstheoretiker nicht ständig was anderes - und sind es nicht die Regierenden, die mit ihrer Politik der Desinformation unsere Fantasie beflügeln? Mag sein. Daniel Kulla liefert dennoch ein probates Gegenmittel für verquere Hirngespinste.




Ein gut gepflegter Verfolgungswahn bereichert das Leben. Mal ehrlich, der Briefträger war dir doch schon immer suspekt. Ein Blick in die Abendnachrichten reicht, um in allen erdenklichen Winkeln einer von Gott verlassenen Welt dunkle Machenschaften und Manipulationen zu erahnen. Wer braucht Rollen-Spiele, wenn die Realität so viel geheimnisvoller erscheinen kann? Grundvoraussetzung ist das richtige Mindset: "Nichts geschieht zufällig. Nichts ist, wie es scheint. Alles ist miteinander verbunden." So beschreibt der amerikanische Autor und Professor der Politischen Wissenschaft Michael Barkun die Grundregeln der Verschwörungstheorien. Wer diese einfachen Merksätze beherzigt, findet selbst in der oft geschmähten Bäckerblume Hinweise auf ein alles umfassendes, jedes Übel erklärendes Komplott.

Für Special Agent Mulder ist nicht die Frage, ob du zu paranoid, sondern ob du paranoid genug bist; Terry Pratchett, Kurt Cobain und Joseph "Catch 22" Heller bestätigen unisono: "Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind." Umso wertvoller und wichtiger ist die Einschränkung, mit der Daniel Kulla seinen Vortrag auf dem 22. Chaos Communication Congress im Dezember 2005 eröffnete: "Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass du hinter anderen her sein musst." Bereits der Titel des Vortrags "Entschwörungstheorie" dient als subversives Spiel mit dem Unsinn. Denn wer Verschwörung und Theorie in einem Atemzug nennt, hat schon verloren.

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aus Intro #160 (Mai 2008)
 
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