John Niven

Kill Your Friends

[Heyne, 352 S., EUR 12]

24.01.2008, 12:39, Text: Wolfgang Frömberg
[6 Kommentare]

Der schottische Schriftsteller John Niven karikiert in "Kill Your Friends" den egomanisch beengten Blickwinkel eines überzeugten Ellbogenfighters im Musikbusiness während der Hochphase von New Labour. In dieser Konstellation muss Blut fließen ...




Die Musikindustrie ist ein Tummelplatz kaputter Typen. Wer wüsste das besser als der Redakteur eines Musikmagazins! Kaum verwunderlich, dass John Nivens Roman über einen durchgeknallten A&R, der bei seinem Arbeitgeber Ende der 90er den blutigen Sanierer spielt, an dieser Stelle einen Ehrenplatz bekommt. Und es überrascht auch nicht, dass mit Stephan Glietsch ein erfahrener Popjournalist (Intro, Spex) den Satansbraten für die Heyne-Hardcore-Reihe ins Deutsche übersetzt hat.

Der schottische Autor selbst ist ebenfalls gezeichnet: Er hat lange Jahre als Scout bei einer Plattenfirma gearbeitet, weiß also aus erster Hand von den Erfahrungswerten derjenigen zu berichten, die fürs Casting von Hits und deren Interpreten zuständig sind. Man kann nur hoffen, dass Niven persönlich nicht allzu viel mit dem aus überaus egozentrischer Perspektive erzählenden Steven Stelfox, Protagonist von "Kill Your Friends", zu tun hat.

Der Menschenhasser rappt eine Hate Speech runter, die sich gewaschen hat. Entweder hat ihn seine privilegierte Position zu einem Lump verkommen lassen, oder er ist gerade deswegen dort angekommen, weil er ein Fiesling ist. Eines scheint für Stelfox jedenfalls festzustehen: Wer durch Glück an den vermeintlichen Hebeln der Plattenindustrie sitzt, dem werden Kollegen und Vorgesetzte bald schon klar machen, dass er bloß die Griffe jener Ruder in der Hand hat, mit denen er die Major-Label-Galeere im Mainstream auf Kurs halten muss. Pech! Schön für uns, dass Stelfox nicht bloß gehässig ist, sondern seine Verachtung in durchaus pointierte Charakterisierungen zu packen vermag, die vor allem - Achtung, Kniff des Autors! - etwas über seine eigene verko(r)kste Persönlichkeit aussagen.

Kostprobe: "Hastings ist dünn wie eine Gitarrensaite und nervös wie ein frisch entlassener Kinderschänder." Noch eine? "Die Suite ist beinahe so geschmacklos-imposant wie Rudi selbst. In den späten Vierzigern, das silberne Haar zum Pferdeschwanz zurückgebunden, hat er das Gesicht eines gut genährten SS-Kommandanten." Klar, dass der "American Psycho"-Verweis nicht fehlen darf, sobald Popkultur und Blutrausch zusammenkommen. Für kaputte Typen wie uns erscheint die hier beschriebene Welt aber viel realer als die Börsenmakler-Gesellschaft, die Bret Easton Ellis 1991 schilderte. Die war dagegen fast virtuell, gell?



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aus Intro #157 (Februar 2008)
 
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  • Frau Tite 02.04.2008 | 13:03:55
    the nicest girl alive
    ich habe den roman gestern nacht in einem zug durchgelesen und ungefähr den ekel empfunden, der mich auch schon bei der lektüre von "american psycho" überkam. ein wenig hat mich die machart der story auch an "matchpoint" erinnert. die schundig-krasse koddersprache und der ganze hass haben mich ganz gut unterhalten. zwischen all der massiven gewalt aller arten finden sich etliche durchaus sehr witzige momente.

  • User: Andrew Largeman
  • Andrew Largeman 02.04.2008 | 13:24:44
    Messias
    Mist, dann muss ich mir das doch kaufen. Meine Oma muss mir Geld dafür leihen.

  • Frau Tite 02.04.2008 | 13:26:28
    the nicest girl alive
    ich kann's dir auch leihen, aber ich finde, das ist im grunden nen kauf wert.

  • User: Andrew Largeman
  • Andrew Largeman 02.04.2008 | 13:32:42
    Messias
    Ich kauf das. Die "Daumen im Wind" von Udo gibts auf Amazon gerade Remastered für 10 Euro - da pack ich das Buch dann noch dazu.

  • User: baddiel
  • baddiel 02.04.2008 | 13:53:54
    der erstbeste bin ich!
    in der tat ein prima buch für eine zugfahrt.

    der mord ist aber eigentlich unnötig,
    da verachtung und gier des protagonisten bereits für ausreichend ekel sorgen.

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