Dietmar Dath

Waffenwetter

[Suhrkamp, 291 S., EUR 17,80]

30.11.2007, 18:30, Text: Sebastian Ingenhoff
[7 Kommentare]

'Waffenwetter' bildet den Abschluss einer Trilogie, die Dietmar Dath vor zwei Jahren mit dem Briefroman 'Die salzweißen Augen' begann. Was vordergründig eine Essaysammlung über Drastik und Horror in der Populärkultur zu sein schien, war in Wahrheit eine großartige Liebesgeschichte. In 'Dirac' verwob Dath dann die Biografie des Physikers Paul Dirac mit jener des marxistischen Journalisten und Schriftstellers David Dalek. Nun also 'Waffenwetter'. Der Roman ist in Tagebuchform aus der Sicht der 19-jährigen hochbegabten Abiturientin Claudia Starik geschrieben. Daraus ergibt sich ein Erzählstil, der rauschhafter und schwungvoller nicht sein könnte. Der Text ist durchgehend in Kleinschrift gehalten, Sätze werden mittendrin abgebrochen, Notizen, Gedankenströme und Dialogfetzen stehen nebeneinander, der Leser wird von dem Teenager förmlich durch die Seiten gejagt. Das erinnert vom Tempo her an die surrealistische écriture automatique, ohne dass hier - wie bei Breton - in somnambuler Umnachtung lediglich die Unvernunft zelebriert würde.


Wie jedes hochbegabte Wesen hat Claudia gehörig mit ihrer Umwelt zu kämpfen. Ihr treuester Verbündeter ist Großvater Konstantin Starik, ein Kommunist, Ex-Unternehmer und Millionär. Dieser schenkt Claudia zum Abitur eine Reise nach Alaska, wo sich auch das HAARP-System befindet, ein amerikanisches Programm zur Erforschung der Ionosphäre, um das sich zahlreiche Verschwörungsmythen ranken. Etwa der, dass es eigentlich ein System zur Gedankenmanipulation sei. In diesem zweiten Teil entwickelt sich die Handlung zu einer an die amerikanische Serie 'Dark Angel' erinnernden Science-Fiction-Story. Zu ihrer eigenen Überraschung erweist Claudia sich nämlich als kommunistische Waffe, die von ihrem Großvater nicht ohne Grund nach Alaska gebracht worden ist. Fortan wird gekämpft. Nicht (nur) gegen den Kapitalismus, sondern, tatsächlich, gegen das Böse an sich. Daths Faible für Genreliteratur mag manchem Leser aufstoßen. Fest steht, dass es hierzulande wohl niemanden gibt, der die nach wie vor praktizierte Trennung von U- und E-Kultur amüsanter, effektvoller und schlauer mit Füßen tritt als der ehemalige FAZ- und Spex-Redakteur.



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aus Intro #156 (Dezember 2007 / Januar 2008)
 
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  • faster23 30.12.2007 | 13:09:34

    wenigstens hat buffy eine eigene NISCHE gefunden!

  • weiche zäune 02.01.2008 | 12:03:50
    love love love yeah
    wow, die intro-besprechung ist ja mal wieder von auserlesenster ahnungslosigkeit beseelt. der mensch weiss offenbar weder was écriture automatique ist, noch scheint er daths buch gelesen zu haben.

  • User: Schlüter Zwei
  • Schlüter Zwei 03.01.2008 | 03:48:47

    Jedenfalls hat er der Versuchung widerstanden, den speziellen Fachbegriff des Textes zu nennen, ihn unerklärt stehenzulassen und dem Autor daran Ahnungslosigkeit zu unterstellen. Das wäre ja auch zu billig gewesen.

  • carlopatillas 03.01.2008 | 07:16:09

    schlüter, so auch mein erster gedanke dazu.

  • weiche zäune 03.01.2008 | 10:25:20
    love love love yeah
    so steht es geschrieben in der rezension:

    Das erinnert vom Tempo her an die surrealistische écriture automatique, ohne dass hier - wie bei Breton - in somnambuler Umnachtung lediglich die Unvernunft zelebriert würde.


    haha.

  • carlopatillas 03.01.2008 | 11:19:02

    das hat der schlüter wohl ein wenig anders gemeint.

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