
John Robb
Punk Rock. Die ganze Geschichte
[Ventil Verlag, 528 S., EUR 19,90]
28.11.2007, 16:38, Text:
Christian Meyer
This is England: Nachdem \\"Please Kill Me\\" von Legs McNeil und Gillian McCain vor gut zehn Jahren die Entstehung von Punk in New York als Zitatencollage nachzeichnete, übernimmt nun John Robb - ehemals Bassist und Sänger von The Membranes sowie Autor für Sounds - den britischen Part der Oral History. Minutiös entwirft Robb mittels zahlreicher Interviews eine Chronologie des britischen Treibens. Von den Einflüssen des 60s-Punk und des Glam-Rock, der New Yorker CBGBs- und der heimischen Pub-Rock-Szene über den kommerziellen Erfolg, den schnellen Breakdown hin bis zum Ausklingen im Post-Punk, Anarcho-Punk und Oi: Robb kennt sein Metier.
Ihn hat Punk 1976 in der langweiligen Provinz voll erwischt. 30 Jahre, zig historische Abhandlungen, Analysen und Revivals später lässt er die Helden zu Wort kommen: John Lydon, Mick Jones, Mark Stewart, Siouxsie, Malcolm McLaren, Ari Up, Howard Devoto oder Billy Bragg - um nur die bekanntesten zu nennen. Die Perspektiven sind ständig in Bewegung. Aussagen werden durch einen Zweiten bestätigt, werden durch eine Dritte zur Gewissheit oder zumindest unwiderruflich zum Mythos. Andere Schilderungen zerreiben sich im Widerspruch. Manche Anekdote steht allein, in der Schwebe zwischen Wirklichkeit und Fantasie.
Im Untertitel steht zwar \\"Die ganze Geschichte\\". Aber da steht nicht: \\"Die wahre Geschichte\\". Auch Punk lebt von seinen Legenden. Ob Sid Vicious den Pogo erfunden hat - wer weiß? Mit \\"Punk Rock\\" entsteht ein oft klares, stellenweise unscharfes und mitunter widersprüchliches Bild. Und ganz nebenbei spürt man in jedem Wort die heutige Einstellung zur mehr oder minder glorreichen Jugend. Das gilt auch für John Robb selbst, der jedes Kapitel mit einem kurzen historischen Abriss einleitet. Dabei zeigt er sich sowohl als profunder Kenner der Punk-Szene als auch der Musik an den Rändern. Diese Mischung aus bedingungslosem Fantum und weitem Horizont macht John Robb zum würdigen, weil reflektierten Autor einer mündlichen Überlieferung des Punk.
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