
Mark Z. Danielewski
Das Haus. House Of Leaves
[Klett-Cotta, 827 S., EUR 29,90]
23.11.2007, 19:48, Text:
Wolfgang Frömberg, Foto: Alfred Jansen
Mark Z. Danielewski schreibt spannend wie Stephen King, gebildet wie Thomas Pynchon - und wird von der Kritik als neuer James Joyce gefeiert. Sein \\\"House Of Leaves\\\" gilt schon seit Jahren als Kultroman. Jetzt entfaltet sich das dunkle Labyrinth, in dessen Gängen ein unheimliches Monster lauert, auch in deutscher Übersetzung. Wolfgang Frömberg hat den Autor am helllichten Tage getroffen, um die Wahrheit über \\\"Das Haus\\\" zu erfahren.
Ein kleiner Bengel, der lautstark Besitzansprüche anmeldet, wird von der Mutter zurechtgewiesen: \\\"Mach die Augen zu, dann siehst du, was dir gehört.\\\" Dunkelheit. Leere. Einsamkeit. Nicht nur Ulrike Meinhof oder Ian Curtis erfuhren kalte Isolation. Alle guten und schlechten Horrorstorys handeln davon. Wer kennt das Gefühl nicht? Für den amerikanischen Kultbuch-Autor Mark Z. Danielewski klingt diese Kindergeschichte, die seinem Gegenüber beim Lesen in den Sinn kam, dennoch ungewöhnlich brutal. Ein echter Schocker. Am Morgen nach der Vorstellung seines vertrackten Schauerromans \\\"House Of Leaves\\\" in Köln wird er aus Gedanken über Neuronenverbindungen und Quantenmechanik sowie Spekulationen über die An- bzw. Abwesenheit von Gott gerissen. Gottlose Welt? Klingt unvorstellbar. Da muss doch was sein ... Auch der Journalist möchte mit seiner Story darauf hinaus, dass dem erniedrigten Jungen bei aller Verlorenheit in der Finsternis dennoch etwas bleibt, das ihm keiner nehmen kann: die Vorstellungskraft. Dieser Gedanke leuchtet Danielewski ein. Die Erörterung seiner Arbeit kann beginnen.
Mark Z. Danielewski hat über den Zeitraum eines Jahrzehnts an seinem \\\"Haus\\\" gewerkelt, das nun von Christa Schuencke übersetzt worden ist. Virtuos denkt er sich darin in die Köpfe verschiedener Figuren hinein und stellt einfühlsam deren Sorgen vor. Das Ensemble, mit dem er die Leserschaft in seinem Debüt bekannt macht, besteht u. a. aus dem blinden Zampano, der mit Hilfe diverser Assistentinnen einen Film analysiert, sowie einem berühmten Fotografen, dessen bekannteste Aufnahme ein sterbendes Kind zeigt. Die nächste große Rolle spielt ein Aushilfsjobber im Tattoo-Shop: Johnny Truant findet die Aufzeichnungen des inzwischen verstorbenen Zampano. Eine umfangreiche Analyse des Films \\\"Navidson Record\\\" vom Pulitzer-Preisträger Will Navidson. Dessen Idee war es gewesen, die erste Zeit nach dem Einzug seiner Familie in ein neues Heim zu dokumentieren. Schon bald tauchen Korridore auf, die nirgendwo verzeichnet sind. Jene Flure scheinen sich zu verändern. Ein beängstigender Kosmos, der von einem merkwürdigen Sound erfüllt ist. Unerforschtes Terrain verlangt nach Begehung. Navidson stellt ein Team zusammen. Doch während der Expeditionen verliert es sich. Also geht er gegen den Willen seiner Frau selbst dem Grollen nach. Zampano beschreibt Filmpassagen, die sowohl mit festen als auch mobilen Kameras aufgenommen wurden. Wir erfahren über ihn von den Umständen ihrer Bearbeitung und bekommen Exkurse über das Unheimliche in der Philosophie, das Labyrinth in der griechischen Mythologie oder das Echo in der Tierwelt zu hören, während im \\\"Navidson Record\\\" vor laufender Kamera immer grausigere Dinge geschehen ...
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