Johannes Ullmaier (Hrsg.)

Schicht! Arbeitsreportagen für die Endzeit

[Edition Suhrkamp, 418 S., EUR 12]

22.11.2007, 13:11, Text: arno raffeiner

Mysteriöse Auftraggeber aus der Zukunft, die wohl mit \\"JahweGottAllah\\" verbandelt sind, bestellen bei Suhrkamps Johannes Ullmaier per Mail \\"Arbeitsreportagen für die Endzeit\\". Der Chef ganz oben will ein Update. Ullmaier zögert mit der Zusammenstellung eines Sammelbandes, bis die geheimnisvollen Fremden ein erstes Honorar überweisen. Asche ist im Zusammenhang mit Arbeit eben immer noch Kriterium Nummer eins.


Die Endzeit? Hier und heute herrscht die Zeit der Debatten über diskontinuierliche Erwerbsbiografien, neue Arbeitsformen und das Prekariat. Die ReporterInnen erfüllen sorgsam ihre Aufgabe, den JahweGottAllah-FreundInnen aus der Zukunft vom aktuellen Stand der Dinge zu berichten. Juli Zeh, Kathrin Röggla und Georg Klein packen das Thema literarisch an. Ihre Sujets wie Tauschwirtschaft, Schuldnerberatung und Schwarzarbeit verhandeln die unerwünschten Randerscheinungen des Feldes, künden aber auch von einem idyllischen Jenseits des Arbeitsmarktes. Aussteigertum scheint anno 2007 Konjunktur zu haben. Die ganz gemeinen und langweiligen Bürohocker, die Fließband-Entfremdeten oder gar die Arbeiterklasse sind auch in weiteren, brav runtergeschriebenen Auftragsreportagen, wie man sie täglich in der Zeitung serviert bekommt, nicht zu finden.

Der Fehler liegt hier im Format: Die Reportage will nicht den Querschnitt, sondern das Besondere, Originelle, Vereinzelte. So hat Feridun Zaimoglu die etwas müde Idee, einen Online-Sexarbeitgeber zu befragen, Gabriele Goettle besucht Bio-Ziegenbauern, Harriet Köhler schaut einem Lehrling beim Tomatenschneiden in einer Gourmetküche zu.

Erfreulich ist, dass - abgesehen von Peter Glasers Kurzporträt von Holm Friebe - keine falsche Verklärung oder zynische Heroisierung von häufig eben fragwürdigen Arbeitszusammenhängen unternommen wird. Die gottgesandten Auftraggeber allerdings dürften mit dem Ergebnis kaum zufrieden sein. Denn so gut einige Texte auch geraten sind, repräsentatives Bild für die Endzeit ergeben sie nicht.



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aus Intro #156 (Dezember 2007 / Januar 2008)
 
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