Jörn Morisse und Rasmus Engler (Hrsg.)

Wovon lebst du eigentlich?

[Piper Verlag, 250 S., EUR 8]

22.11.2007, 13:05, Text: Pascal Jurt

Jörn Morisse von der \\"Zentralen Intelligenz Agentur\\" und Rasmus Engler, Musiker von Bands wie Das Bierbeben und Herrenmagazin, lassen \\"kreativ Tätige\\" über \\"Strategien und Möglichkeiten\\", sich \\"jenseits von Festanstellung und Hartz IV (...) mit wenig Geld über Wasser zu halten\\", sprechen. Der Interviewband \\"Wovon lebst du eigentlich?\\" versammelt 20 Gespräche mit freiberuflich tätigen \\"Kulturschaffenden\\".


Schon im Vorwort jonglieren die Herausgeber mit reichlich überstrapazierten Begriffen von \\"künstlerischer Freiheit\\" und \\"Kreativität\\", obwohl gerade die Interviews nahelegen, dass es \\"künstlerische Freiheit\\" in dem Sinne gar nicht gibt. Im Geleitwort preisen sie die Misere sogar noch an. Sie wollen zeigen, \\"wie man trotz prekärer Lage den Mut findet, Zukunftsprojekte zu entwerfen, um die Gestaltungsmacht für eine glückliche Gegenwart sich nicht aus der Hand nehmen zu lassen\\". So wird das unternehmerische Selbst als der kategorische Imperativ der Gegenwart einmal mehr hypostasiert.

Dass nicht entfremdete Arbeit und ein gut gefülltes Konto dem normalsterblichen Lohnabhängigen selbstverständlich versagt bleiben, davon ist hier keine Rede. Deshalb verwundert es auch kaum, dass prekarisierte Arbeits- und Lebensverhältnisse außerhalb der Kulturindustrie so gut wie nicht thematisiert werden. Sich mit denen in Beziehung zu setzen wäre eigentlich eine Herausforderung, die hier aber erst gar nicht gesucht wird. \\"Es geht ja gar nicht um Geld\\", so Morisse in einer Frage. \\"Es geht eigentlich um eine Einstellung zu den Dingen. Ob man was gefunden hat, das sich bewährt hat und künstlerisch erfüllend ist. Ob man Selbstbewusstsein daraus schöpfen kann ...\\"

Zum Glück widersprechen die Interviewten - wie z. B. Ted Gaier oder Almut Klotz - der heilsverprechenden Diätetik. Nicht immer wird der zugespielte Ball zurückgegeben. So antwortet Wolfgang Herrndorf in einem Interview: \\"Selten hat mich irgendetwas so glücklich gemacht wie dieser Gehaltsscheck am Ende des Monats.\\" Word!






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aus Intro #156 (Dezember 2007 / Januar 2008)
 
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