
Raul Zelik
Der bewaffnete Freund
16.07.2007, 06:00, Text:
Dörte Miosga
Alex ist Mitte dreißig, als er das Angebot annimmt, an einem Forschungsprojekt in Bilbao teilzunehmen. Nur zu gern verlässt er Berlin. Er ist genervt von seiner Ex-Freundin Katharina, mit der er nach seinen Vorstellungen nie wirklich zusammen war, von seiner Tochter Hanna, zu der er keine Nähe aufbauen kann, und von seinem neuen Freund Rabbee. Ständig zählt er die Stunden, bis er wieder seine Ruhe hat. Verklärt erinnert er sich an Zubieta, den er 1984 in Nordspanien kennenlernte. Schon damals sprach der Freund häufig von der Revolution in Nicaragua und über gesellschaftliche Prozesse in Spanien. Später erfuhr Alex, dass Zubieta neuer Kopf der \\"sozialistisch-revolutionären Organisation zur nationalen Befreiung\\" geworden sei. Eine gemeinsame Freundin verhalf Alex zu einem Treffen mit Zubieta, der in Brasilien untergetaucht war. Nun, zwanzig Jahre später in Bilbao, hört Alex, dass Zubieta wieder in Europa sei. Und auch Zubieta erinnert sich an Alex und bittet ihn über Mittelsmänner um einen Gefallen, der Alex' Leben grundlegend verändern wird.
Wer Raul Zelik kennt, weiß, dass er als Romanautor und Journalist in seinen Geschichten und Beiträgen über Paramilitarismus in Kolumbien oder über Venezuelas \\"bolivianischen Prozess\\" regelmäßig sein Interesse für Lateinamerika unterstreicht. Auch die europäische Migrationspolitik oder Demokratiedefizite Spaniens gehören zu seinen Themen. \\"Der bewaffnete Freund\\" spielt im Baskenland, von wo aus die ETA in den letzten 30 Jahren 800 Menschen getötet hat. Das Buch handelt von absurden Zuständen. Ehemalige Mitglieder des Franco-Regimes bekleiden heute noch politische Posten. Folter auf Polizeiwachen ist an der Tagesordnung, Zeitungen werden verboten. So bleibt Alex vom Kampf seines Freundes nicht unberührt und denkt über die Worte Zubietas nach, \\"dass Macht immer auf Gewalt beruht, Recht nichts anderes ist als erfolgreich gesetzte Gewalt\\". Doch rechtfertigt staatliche Gewalt jede Form von Gegengewalt? Ob er sich schuldig fühle, fragt Alex. Zubieta erwidert: \\"Ohne unsere Gewalt gäbe es nur ihre Gewalt. Und das heißt: noch weniger Gerechtigkeit.\\" Zeliks Anliegen war offenbar ein Stück Aufklärung über den baskischen Konflikt. Herausgekommen ist eine schwierige Erzählung über den Zusammenhang von Sprache, Literatur, Repression und Gewalt im Europa des 21. Jahrhunderts.
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