
Neil Gaiman
Anansi Boys
18.06.2007, 06:00, Text:
Jasper Nicolaisen
[8 Kommentare]
Nach Göttern nun Göttersöhne. Fat Charlie, ein etwas stoffeliger Londoner Buchhalter, hatte sein Leben lang unter den groben Scherzen seines extravaganten Vaters zu leiden und sehnt sich nun nach nichts weiter als einem ruhigen Leben in den Armen seiner schwer entflammbaren Freundin. Kaum ist Papa tot, taucht Charlies Bruder Spider auf und bringt mit seinen geheimnisvollen Kräften Charlies Leben gehörig durcheinander. Der verstorbene Vater war kein Geringerer als der Spinnengott Anansi, ein Trickster und Spaßmacher, den es aus Westafrika nach Amerika verschlagen hat. Um den nervigen Verwandten wieder loszuwerden, lässt sich Fat Charlie auf einen Deal mit zwielichtigen Mächten ein, was ihn schnell selbst in die Bredouille bringt. Um aus dem Schlamassel wieder rauszukommen, bedarf es aller Schläue, die ihm sein Vater vererbt hat, sowie der Hilfe detektivisch veranlagter schöner Frauen, afro-karibischer Hexen und gezielt eingesetzter Gesangsauftritte.
Neil Gaiman greift in \\"Anansi Boys\\" erneut auf die Idee zurück, die Figuren und Themen klassischer Mythen in die postmoderne großstädtische Gegenwart zu transportieren. Ein Prinzip, um das seine Arbeit von den \\"Sandman\\"-Comics bis hin zum Bestseller \\"American Gods\\" kreist (zu dem trotz gegenteiliger Verlagsbehauptung übrigens nur eine lose Verbindung besteht). Aus dieser Reibung entwickelt er eine unterhaltsam verfremdende Perspektive auf die Gegenwart, die durch die Anreicherung mit sagenhaften Elementen verzaubert scheint - schöner, geheimnisvoller, aber auch gefährlicher -, während umgekehrt scheinbar überzeitliche archetypische Erzählstrukturen durch den Anschluss an die zeitgenössische Popkultur neues Leben und Relevanz gewinnen. Formal reichert Gaiman den Stilmix noch um Horror-, Detektiv- und humoristische Elemente an. Sprachlich schließt der Autor eher an die Medienwelten des 21. Jahrhunderts an als an den altertümelnden Tonfall vieler Fantasy-Romane. Gaiman entkommt damit den rückwärtsgewandten, weltflüchtenden Tendenzen der Fantasy Tolkien'scher Prägung und reiht sich ein in die junge Strömung der \\"Urban Fantasy\\" oder auch \\"New Weird\\". Zu der können so unterschiedliche Autoren wie Matt Ruff, China Miéville oder Jeff VanderMeer gezählt werden.
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gorgeous 15.08.2007 | 19:40:40
here come the drums
ich teste hier nur grade was. das buch ist aber wirklich ganz nett.
gorgeous 15.08.2007 | 19:41:39
here come the drums
super. alles gut.
Haar will atmen 15.08.2007 | 20:16:39
gorgeous
Gefährlicher Admin
Heute 19:40:40
Ich will auch sonen Titel :D
JasperNicolaisen 16.08.2007 | 15:50:58
Das junge Soul-Wunder
Und ich dachte, es mochte noch jemand das Buch :). "Sternenwanderer" kommt ja Weihnachten ins Kino.
gorgeous 17.08.2007 | 01:39:37
here come the drums
doch doch, ich mochte das buch sogar sehr. deswegen habe ich ja ausgerechnet mit diesem artikel getestet ;o)
sternenwanderer = stardust, oder? die website zum film ist schonmal die hölle...
für leute mit viel zeit lohnt das hier eher: authors@google - neil gaiman - sehr unterhaltsam, aber ne stunde lang.
JasperNicolaisen 17.08.2007 | 11:55:38
Das junge Soul-Wunder
Ja, genau, es geht um Stardust. Der Trailer sieht leider auch nicht so prickelnd aus. Ist aber eh nicht sein stärkstes Buch, finde ich.
thefamilycat 21.02.2009 | 10:35:29
das buch kann ich bedenkenlos empfehlen (wie alles von neil gaiman) allerdings ists ganz hilfreich wenn man american gods vorher gelesen hat. dann ist man von dem göttergequatsche vielleicht nicht ganz so irritiert. (kann ich mir vorstellen, ich selbst hatte american gods vorher gelesen)




