Tom Kummer

Ehrlich währt am längsten

23.06.2007, 13:59, Text: Wolfgang Frömberg, Foto: Alfred Jansen

Was macht den Unterhaltungswert eines perfekten Interviews aus? Belangloses O-Ton-Gestotter oder, ähm, ein gewisser Sinn für Dramaturgie? Tom Kummer kann sicher Auskunft geben. Einst nahm er im Dichterstübchen des Star-Reporters jene Fäden auf, die Courtney Love, Pamela Anderson oder Tom Hanks während des Gesprächs verloren hatten. Die Kritik erhob Kummers \"Fake-Interviews\" zum Skandal, die Zunft erteilte \"Schreibverbot\". Jetzt meldet er sich mit zwei Büchern zurück. Wolfgang Frömberg hat ihn getroffen.
Erst deine Autobiografie \"Blow Up\". Dann ein Interview mit Knut, dem Eisbären. Ist der Lampengeist Tom Kummer zurück aus der Verbannung ...?
Ich habe inzwischen realisiert, dass ich Schreiber bin. Und ich bin sehr traurig darüber, dass ich nicht mehr schreibe. Ich habe versucht, das zu kompensieren. Mein Zen-Buddhismus heißt Paddle-Tennis. Das ist so campy, solltest du echt mal sehen. [lacht] Eine Mini-Version von Tennis, total absurd. Das spielen die in den Elite-Clubs in L.A. Und ich war mal ein guter Tennis-Spieler, das ist jetzt kein Joke - und dann kam der typische Karrierebruch, nach dem Motto: \"Scheiß Tennisgesellschaft, da mach ich nicht mit.\" Aber die Qualität als Spieler hat sich letztlich ausbezahlt. Ich fing schon Mitte der 90er-Jahre an, in L.A. Paddle-Tennis-Turniere zu spielen, und gewann ein paar davon. Ein Bekannter, der in den Elite-Clubs Mitglied war, hat mich gefragt, ob ich dort einen Job als Trainer annehmen will.
Am Anfang von \"Blow Up\" schilderst du, wie Coach Tomas mit all den privilegierten Leuten auf dem Platz steht. Eine Art Sinnbild für dein Leben?
Absolut.



Von unten betrachtest du den Waldbrand auf den Hügeln der Stadt, während Tomas sein Spielchen spielt. Da wirkt Paddle-Tennis gleich noch absurder.
Das haben viele Leute ein bisschen missverstanden mit dem Tomas, dem brasilianischen Coach. Die dachten, ich spiele wieder eine Rolle. Aber die Amis halten mich wegen meines Akzents für einen Südamerikaner. Und ich habe das einfach mitgespielt.
Dann hat sich ja gar nicht so viel verändert. Früher haben alle gedacht, du bist Journalist, und du hast sie in dem Glauben gelassen ...
Natürlich, ich fand das witzig.
Bei einem Brand werden die Leute richtig nervös. Stell dir vor, er flackert wieder auf ... Waren ein paar deiner alten Weggefährten schon aufgeregt, als sie erfuhren, dass Tom Kummers Lebensgeschichte bald in den Regalen steht?
Roger Köppel war Chefredakteur der Welt und ist jetzt Chefredakteur und Herausgeber der Weltwoche. Er hat panisch reagiert und vorab schon mal Schutzbehauptungen formuliert. Es handele sich um ein trauriges Buch. Er finde es mitleiderregend, ja, tragisch, was mit Tom Kummer passiert sei. Und er war nicht der Einzige. Aber das waren strategische Kommentare von Leuten, die in \"Blow Up\" vorkommen, und wo auch klar wird, wie sie verstrickt waren. Claudius Seidl hat vor dem Erscheinungstermin in der FAZ geschrieben, das Verfahren gegen mich sei wieder aufgenommen. Claudius ist nun wirklich ein guter Kollege. Von ihm stammt das Nachwort zu meinem \"Good Morning L.A.\". 1997 erklärte ich sehr deutlich, was ich unter Borderline-Journalismus verstehe. Er hat also quasi das Manifest abgefeiert und behauptet jetzt: \"Wir sind alle reingelegt worden!\" Das ist einfach scheinheilig. Aber es zeigt auch, wie sich die Positionen verschoben haben. Köppel, Seidl und die anderen haben sich etabliert, leben auf Sicherheit, sind seriös. Unsere Wege haben sich getrennt.

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aus Intro #151 (Juli 2007)
 
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