
Jens Friebe
52 Wochenenden. Texte zum Durchmachen
21.05.2007, 06:00, Text:
Maurice Summen
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“Die Kunstärsche in St. Pauli schlucken Schall wie die Nutten Sperma.” Wenn man diesen Satz aus dem Kontext gerissen liest, könnte man meinen, Jens Friebe sei jemand aus dem Masters-Of-Rap-Umfeld – ein MC mit der Sprache der Gosse. Aber Jens Friebe ist natürlich ein Introid, einer, der sich als Teil der Social-Beat-Bewegung sieht – und dann schon wieder nicht mehr. Nein, eigentlich gibt es nichts, was Herr Friebe wirklich ist.
Danach sucht er nämlich die ganze Zeit, in der “Creme de la Boheme” in Berlin. Friebe dokumentiert akribisch nahezu jeden Gin-Tonic in seinem “52 Wochenenden”-Blog. Ein Independent-Wandersmann – und durchaus sehr schlagfertig: “Als Kind wurde ich sehr früh an moderne Kunst herangeführt. Dies hatte den erwartbaren Effekt, dass ich mich bis heute nicht dafür interessiere!” Politisch ist Friebe eher jemand, der durch eine ambivalente Haltung den Rock’n’Roll aus seinem Leben herauszukitzeln versucht. Immer auf der Suche nach dem geheimen Zentrum der eigenen Widerstandskraft. Irgendwie wohnt dieser heroinfreien Boheme eine eigenartige Kauzigkeit inne. Durch das Erzeugen von sprachlichem Mehrwert wirkt sie dann doch viel charmanter als zum Beispiel ein Haufen Nerds an einem DVD-Abend. Das ist dann der Punkt, an dem man Friebe wirklich beglückwünschen möchte: Er schöpft etwas aus fast gar nichts. Und das ist mindestens eine geschäftsmännische Meisterleistung. Unser Geld geben wir aber für die nächtlichen Exzesse aus, und nicht im “St-Oberholtz”, dem legendären Internetcafé am Rosenthaler Platz. Eine Blogwelt allein rechtfertigt noch lange keinen Latte Macchiato. Wir bleiben auch gespannt, wann sich Jens Friebe endlich wieder mit Frau Rösinger von der Band Britta trifft. Und wo. Und wie er darüber denkt.
Friebe ist ein Moderator seiner eigenen Existenz. Und diese Rolle allein ist beileibe anstrengend genug: “Das Jahr war nicht kurz. Es war lang, und das nächste wird auch lang sein, und die nächsten 30 bis 50 werden ebenso lang sein und zusammen ein nahezu ewig langes Leben ergeben.” Die neuen Beatniks sind eben hochgeschwind-digital (anstrengende Angelegenheit) unterwegs und bleiben gleichzeitig natürlich auch analog (noch anstrengender) – spätestens, wenn die ICE-Steckdose schon wieder mit Babybrei verstopft ist. Für diesen Fall gibt es “52 Wochenenden” nun im Taschenbuchformat.
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