Die Geißel des Himmels & Die Enteigneten . Eine ambivalente Utopie

Ursula K. Le Guin

[Beide Edition Phantasia, 224 S., EUR 14,90 & 352 S., EUR 19,90]

23.04.2007, 06:00, Text: Wolfgang Frömberg

Eine andere Welt sei möglich, meinen die Globalisierungsgegner. Im Science-Fiction-Genre sind diese Welten zahllos. Allerdings sagen die spekulativen Alternativen mehr über die Realität aus als die Groschenromane von Grass, Walser und den anderen üblichen Verdächtigen, denen das Feuilleton gern Welthaltigkeit unterstellt. Ursula K. Le Guin zählt zu den unbestrittenen Meisterinnen der SF- und Fantasy-Literatur, und in der umtriebigen Bellheimer Edition Phantasia sind jüngst zwei ihrer Romane aus den 70er-Jahren neu übersetzt und aufgelegt worden. “Die Geißel des Himmels” erzählt die Geschichte George Orrs, dessen Träume wahr werden – und der somit zum geeigneten Probanden des Psychoanalytikers Dr. Haber wird. Dieser greift mittels eines Traumverstärkers und Hypnose in Orrs Träume ein – mit dem unverhohlenen Ziel, die Welt zu verbessern.


Während das durchaus sehr ernste Buch zur Satire auf die Allmachtsfantasien des Psychoanalytikers neigt, kommt der Roman “Die Enteigneten” ohne beißenden Witz aus. Der Grad der Irritation, den die Biografie eines Physikers, der auf einem anarchistisch organisierten Mond lebt und als neugieriger Forscher eine kapitalistische Gesellschaft kennenlernt, ist dafür umso erstaunlicher. Da ihm jegliche Besitzansprüche fremd sind, versetzen ihm die herrschenden Eigentums- und Machtverhältnisse einen Schock, der dem Leser in die Glieder fährt.




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aus Intro #149 (Mai 2007)
 
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