
Kolja Mensing
Minibar
[Verbrecher Verlag, 124 S., EUR 13]
26.03.2007, 06:00, Text:
Dörte Miosga
“Wie komme ich hier raus?” fragte Kolja Mensing in seinem letzten Buch, in dem er über seine Adoleszenz in der Provinz erzählte. Diese Frage stellt sich jetzt auch die oder der Lesende der neuen Geschichten des Berliner Kulturjournalisten. Bedrückend ist die Atmosphäre der kurzen Erzählungen. Wie zum Beispiel in der titelgebenden “Minibar”: Ein Businesstyp, also jemand, der berufsmäßig in internationalen Abflughallen und Tagungshotels zu Hause ist, erzählt von seiner letzten Geschäftsreise. Irgendetwas war ungewöhnlich an seiner Begegnung mit einer jungen Frau, und irgendwie hatten sie es verpasst, sich näher zu kommen. Aus Frust geht der Businesstyp mit zwei weiblichen Bekanntschaften aus einem Club mit, die ihn aber auch nur verarschen und in einem Vorort mit grauen Hochhaussiedlungen auf der Straße stehen lassen. Es sind Großstadtgeschichten, die ihren Tenor schon in einsilbigen Titeln wie “Schlaf”, “Staub” oder “Rauch” vermuten lassen. Stilistisch sind die stillen, strengen Storys große Kunst, und am Ende kommt meist so etwas Ähnliches wie eine Pointe. Dennoch haftet diesen mittedreißigjährigen Protagonisten eine unerträgliche Schwere an, der man ganz schnell entfliehen möchte.
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