
Henning Wagenbreth
Cry For Help
[Gingko Press, 80 S., EUR 16,90]
28.02.2007, 11:46, Text:
Matthias Schneider
Einmal im Leben das große Los zu ziehen und schwuppdiwupp reich zu werden, davon träumt wohl jeder insgeheim. Die Erfüllung dieses Traumes gaukeln sogenannte “Scam-Mails” vor, zwar illegal, aber dafür angeblich ohne Risiko. Die Absender sitzen häufig in Afrika, wo diese Form des Betrugs per E-Mail sogar fester Bestandteil des Strafgesetzbuches ist. Raffiniert erschleichen sie sich das Vertrauen der Empfänger und gewinnen diese als Verbündete. Und so streckt mancher geldgierige Leichtgläubige eine hohe Geldsumme vor, damit der vermeintliche Millionenbetrag transferiert werden kann.
Henning Wagenbreth hat in seinem Buch “Cry For Help” 36 ausgewählte Scam-Mails vor dem Mülleimer des Internets bewahrt und sie mit farbenprächtigen Linolschnittdrucken ausgestattet. Pointiert reduziert er in seinen kantigen Illustrationen die fantasievoll arrangierten Dramen auf ihre maßlos übertriebenen Hauptmotive. Denn was die “Scam-Artists” produzieren, sind moderne Märchen, die vom immerwährenden Kampf zwischen Gut und Böse, von geheimen Schätzen und Prinzessinnen handeln. Genau genommen machen sich die Autoren die vorherrschenden Klischees des Westens zunutze und inszenieren Afrika als ein Eldorado der politischen Korruption und Wirtschaftsintrigen. Würde hinter dieser offensichtlichen Trickbetrügerei nicht die afrikanische Mafia stecken, könnte man glattweg Sympathie für ihre Dreistigkeit entwickeln.
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