
Sarah Diehl (Hrsg.)
Deproduktion
28.02.2007, 11:32, Text:
Dörte Miosga
Laut WHO stirbt weltweit alle sieben Minuten eine Frau an einem unsicheren Schwangerschaftsabbruch. Unwillkürlich denken wir an Entwicklungsländer, in denen es an sexueller Aufklärung und Verhütungsmitteln mangeln könnte. Doch das Buch von Sarah Diehl deckt Missstände und Benachteiligungen der “reproduktiven Rechte der Frauen” in vielen Ländern auf – in Argentinien wie in Eritrea, in Nicaragua, in Polen genauso wie in den USA. Ach, und in Deutschland natürlich. Denn auch hierzulande ist eine Abtreibung immer noch rechtswidrig. Ein Gesetz von 1993 brachte ungewollt Schwangeren die “Zwangsberatung”, die Frauen als unaufgeklärt und unmündig abstempelt. Aber zugegebenermaßen geht es in anderen Ländern schlimmer zu, zum Beispiel in Texas. Dort und in weiteren Bundesstaaten der USA wurden jüngst Gesetze verabschiedet, die es Apothekern gestatten, selbst im Fall von Vergewaltigung die Herausgabe der “Pille danach” zu verweigern. Daniela Hrzán berichtet in ihrem Beitrag “Weißer Terror”, wie George W. Bush am ersten Tag im Amt die “Gag Rule” wieder in Kraft setzte, die Clinton abgeschafft hatte. Sie besagt, dass politische Äußerungen zum Thema und das Anbieten oder gar Durchführen von Abtreibungen nicht erlaubt sind. Das Gesetz behindert die Arbeit von NGOs, denen die Förderung gestrichen wird, wenn sie Frauen in Abtreibungsfragen beraten. Die Erfahrung mit dem Thema zeigt, dass Frauen weltweit, wenn sie denn abtreiben wollen, es auch tun – mit welchen Mitteln auch immer. Fana Asefaw erzählt in dem Artikel “... von den Frauen, die sterben, erfährt ja niemand” aus Eritrea, wo auch in Fällen von Vergewaltigung oder Inzest Abtreibungen verboten sind. Dabei gibt es in dem armen Land kaum Kapazitäten, um Operationen durchzuführen. Hier liest man von abenteuerlichen Methoden, die dem Embryo und natürlich auch der Mutter gefährlich werden. Doch nach der Beschreibung der traurigen Situation in einzelnen Ländern und einer gelungenen Darstellung von Abtreibung in Medien, Film und Literatur macht das Buch auch immer wieder Hoffnung. “Women On Waves” ist so ein ermutigendes Beispiel, das Silke Kettelhake schildert: Eine schwimmende Klinik lief 2003 in Polen und 2004 in Portugal in verschiedenen Häfen ein, um Frauen aufzunehmen, die dann in internationalen Gewässern die Abtreibungspille RU 486 schlucken. Die Vielseitigkeit der Beiträge, die Diehl versammelt hat, wird nicht zuletzt an Comics und Kurzgeschichten zum Thema deutlich.
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