
Sascha Seiler
Das einfache wahre Abschreiben der Welt. Pop-Diskurse in der deutschen Literatur nach 1960
[Vandenhoeck & Ruprecht, 344 S., EUR 49,90]
29.01.2007, 06:00, Text:
Martin Büsser
Der stolze, für akademische Veröffentlichungen allerdings übliche Preis mag das interessierte Pop-Publikum abschrecken, wer allerdings auf Uni-Abwegen einmal in die Verlegenheit kommen sollte, über Pop-Rezeption in Deutschland zu forschen, wird hier in mehrfacher Hinsicht fündig. Zum einen bietet Intro-Autor Seiler in seiner Dissertation eine profunde Einführung in das Werk und die Rezeption von mit Pop assoziierten Autoren wie Rolf-Dieter Brinkmann, Wolf Wondratschek, Rainald Goetz und Christian Kracht – um nur einige zu nennen –, zum anderen beleuchtet seine Arbeit die diskursive Beschäftigung mit Pop in Deutschland, darunter die Texte von Diedrich Diederichsen. Wie bei wissenschaftlichen Arbeiten gängig, wird noch einmal die ganze Pop-Genese von Benjamin bis Adorno aufgerollt, das allerdings durchweg gut lesbar, obwohl der Text eigentlich erst dort so richtig in Fahrt kommt, wo Seiler auch wertet – sei es gegenüber Heinz Rudolf Kunze (“literarisch oft fragwürdig”) oder dem auf der Medien-Klaviatur klimpernden Stuckrad-Barre. Erschreckend ist allerdings, dass Frauen – sei es als Literatinnen oder als Theoretikerinnen – in diesem Buch so gut wie nicht existent sind und Judith Butler zum Beispiel nur über den Umweg Thomas Meinecke Erwähnung findet. Seilers Popwelt ist eine Männerwelt, was der Wirklichkeit zwar nahe kommt, ihr aber in dieser radikalen Frauen-Ausblendung zum Glück doch nicht entspricht.
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