
John Peel
Memoiren des einflussreichsten DJs der Welt
[Rogner & Bernhard, 558 S., EUR 24,90]
29.01.2007, 06:00, Text:
Daniel Koch
Vergleicht man John Peel mit den Moderatoren, die hierzulande mit Gutelaune-Zäpfchen im Hintern aus den Radioboxen salbadern, wirkte sein lakonisches Nuscheln stets angenehm beruhigend und sympathisch. Genau diese Stimme spricht aus dem ersten Teil seiner Autobiografie “Margrave Of The Marshes” und auch – oh, Wunder – aus der deutschen Übersetzung. Mal pointiert, mal herzhaft abschweifend, arbeitet Peel sich über die Standards Kindheit, Jugend, Militär bis zu seinem Amerikaaufenthalt vor, um dann tragischer Weise mitten im Schreibprozess zu versterben. Es hätte Peels Humor getroffen, dass sein letzter Satz so lautet: “Harry führte mich durch die staubigen Straßen zu seinem Lieblingsbordell.” Von da an übernimmt seine Frau Sheila Ravenscroft den Stift, um seine und ihre Geschichte zu Ende zu führen. Faktenhuberei und Popstar-Namedropping darf man also bei der Lektüre nicht erwarten. Hier haben wir es mit dem Menschen John Peel zu tun – mit seinem Umfeld, seiner Familie, seiner Fußball- und Musikleidenschaft und den zahllosen Fans, die immer wieder auf manchmal anrührende Weise bei ihm vorstellig wurden. Natürlich tauchen dabei auch Namen wie Marc Bolan, John Lennon und Jack White auf, aber denen wird auch nicht mehr Platz eingeräumt als zum Beispiel Mischa aus Moskau oder Barbara und Kai aus Hannover – Menschen die eher zufällig Peels Lebensweg gestreift haben und dennoch einen Eindruck hinterließen. So bleibt dieses Buch eine herzenswarme Angelegenheit, die jedem Peel-Fan empfohlen sei. Man wird ihn nach der Lektüre noch schmerzlicher vermissen.
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