Grethe Nestor

Die Badgirl Feministin

[dtv premium, 213 S., EUR 12]

29.01.2007, 06:00, Text: Sonja Eismann

Noch während man aus großer Entfernung das grellpinke Buch sichtet, kriecht bereits die kalte Angst den Nacken hoch: Ist es schon soweit, dass Feminismus nicht nur Spaß machen darf, sondern muss? Der seltsam gewundene Untertitel “Ein Handbuch für Frauen, die sich munitionieren wollen” nimmt dem Generation-Ally-Geisterzug aber durch seine Umständlichkeit genüsslich (und vom deutschen Verlag sicherlich ungewollt) den Wind aus den Segeln. Die junge norwegische Journalistin und Feministin Grethe Nestor gleitet in diesem sehr zugänglich geschriebenen Kompendium so ziemlich aller alltagsfeministischer Issues zwar auf der Pop-orientierten dritten Welle des Feminismus, stellt dabei aber erstaunlich grundsätzliche Forderungen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Stop dem Beauty-Terror, ein Ende des Mutterkultes etc. Eine große Auswahl an identitär offenen Konzepten und flapsiger Humor (Tests wie “Bist du eher die Gucci- oder die Ninja-Feministin?” oder feministische Trinkspiele zu Gender-Stereotypen im TV) sind zwar an der Oberfläche die Big Players dieses Textes, entpuppen sich bei genauerer Beobachtung aber eher als listige Fußangeln, die unkonvertierte Frauen zum Gospel bekehren wollen. Genau das brauchen wir, im unfeministischen Deutschland noch viel notwendiger als in Norwegen, wenn auch der grundpraktische und –simple Charakter dieses Handbuchs an manchen Stellen etwas weniger “basic” und damit leider sehr verkürzend ausfallen könnte (und Schlampigkeiten wie die falsche ethymologische Herleitung von “filogyn” als “männerfeindlich” statt als “frauenfreundlich” vielleicht vermieden werden könnten). Für die kleinen Geschwister oder die aufgeschlossenen, noch nicht ganz auf der Höhe der Gleichberechtigung agierenden Eltern ist “Die Badgirl Feministin” ohne Zweifel ein unterhaltsames und mitunter sogar lehrreiches Werkzeug (“Eine natürliche Geburt ist ungefähr so natürlich wie eine Prostataoperation ohne Betäubung.”). Der Rest von uns kann mitunter, wie ich an Silvester in bierseliger Herrenrunde, mit folgendem Männerwitz punkten: “If they can send one man to the moon, why not all of them?”






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aus Intro #146 (Februar 2007)
 
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