
Jörn Morisse, Stefan Rehberger (Hg.)
Driving Home. Weihnachtsgeschichten
20.11.2006, 06:00, Text:
Sascha Seiler
Das Verhältnis junger Menschen zu Weihnachten hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert. Vor dem Tannenbaum versammelte, “Oh, du fröhliche” singende Familien? Vergangenheit. Streit und jährliche Familienfehden? Ein Relikt aus alten Nachkriegszeiten. Wem es dann an Weihnachten zu Hause doch so ging, der verschwieg das in Anbetracht der Tatsache, dass die eigene Familie eben eine peinliche Ausnahme bildet. Das wird sich mit dieser Sammlung von Kurzgeschichten und Anekdoten zum familiären Zusammenkommen an Weihnachten schlagartig ändern, denn die Geschichten, die hier erzählt werden, beweisen, dass sich in Deutschlands Wohnzimmern seit den 50er-Jahren wohl doch recht wenig geändert hat. Bekannte und nicht so bekannte Autoren, Journalisten, gar Musiker um die 30 berichten von peinlichen, traurigen, lustigen und surrealen Erlebnissen aus ihrer Jugend oder schmerzvollen Gegenwart. Da philosophiert Thees Uhlmann über das Verhältnis von Rebellion und “The Wall”, Intro-Kollege Linus Volkmann schreibt eine melancholische Studie über die Vergänglichkeit, und Soap-Drehbuchautor Stefan Rehberger, der hier gemeinsam mit Jörn Morisse als Herausgeber firmiert, erzählt eine wohl jedem bekannte Geschichte über das im Grunde hochpeinliche Wieder-Kind-Werden im Kreis der Eltern zur Weihnachtszeit. Ein bei aller Witzigkeit nachdenklich machendes Buch über, man muss es so direkt sagen, familiäre Werte.
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