Siri Hustvedt

Being A Man

[Rowohlt, 192 S., EUR 12,-]

20.11.2006, 06:00, Text: Dörte Miosga

“Im wachen Zustand bin ich eine Frau, aber in meinen Träumen bin ich manchmal ein Mann”, beginnt Siri Hustvedt ihren Essay “Being A Man” im gleichnamigen Buch. Damit will die New Yorker Schriftstellerin nicht etwa sagen, wie gern sie Bart und Penis hätte, sondern sie träumt von der Möglichkeit, aus den kulturellen Erwartungen, die auf der Weiblichkeit lasten, zu fliehen. Im Schreiben erzählender Prosa hat sie einen Weg gefunden, ihren wirklichen Körper zu verlassen und jemand anderes zu werden. Neun Abhandlungen schildern Hustvedts Ansichten und Gedanken zu Literatur, Kunst und Kultur. Einen Essay widmet sie der Zeichenkombination 9/11 und einem Tag, der von jedem New Yorker anders erlebt wurde. Auch die Artikel über das Werk von Charles Dickens oder die Filmszene der Dreißiger- und Vierzigerjahre sind lesenswert, dennoch sind ihre Alltagsbeobachtungen das Bemerkenswerte dieses Buches. Gekonnt entlarvt sie stereotype Denkmuster und hinterfragt soziale Strukturen. Davon sind auch die Romane Hustvedts, die übrigens mit Paul Auster verheiratet ist, geprägt: Erzählungen, die meistens um Künstlerfiguren kreisen, aber primär eine bürgerliche Welt, die im Stillstand zu verharren droht, zum Sujet haben. An einfachen Beispielen und auf eine federleichte Weise weiß Siri Hustvedt diesen uns umgebenden kulturellen Apparat und unsere fixierte Realität aufzubrechen. Denn, wie sie in einem Interview sagte, “wenn man eine Frau in Strapsen zu einem Stamm in Neu-Guinea schickte, würden die Menschen dort so etwas nicht als sexuelles Statement auffassen.”




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