Benjamin Kunkel

Unentschlossen

[Bloomsbury Berlin, 320 S., EUR 19,90]

18.09.2006, 15:42, Text: Sascha Seiler, Sascha Seiler

Suchte man vor einem Jahr noch fast vergebens nach amerikanischen Romanautoren, die den 11. September behandeln, so ist die Flut an direkten und indirekten Thematisierungen in den letzten Monaten überwältigend, ja, fast lästig gewesen. Nachdem nun auch John Updike seinen literarischen Kommentar zur neuen Weltordnung im Schatten des Terrorismus abgeben musste, wird man des Themas langsam müde. Jedoch wartet noch der großartige Roman “The Good Life” von Jay McInerney auf seine deutsche Übersetzung, und dieser Tage kommt das Debüt des jungen Intellektuellen – und als solcher möchte der Herausgeber des Kulturmagazins n+1 gesehen werden – Benjamin Kunkel auf den deutschen Markt.

In diesem geht es um Unentschlossenheit im Schatten von 9-11. In der ersten Hälfte des Romans spielt Kunkel recht gekonnt mit der Dualität der Welt, Yin und Yang, Schwarz und Weiß, nie mag sich der Protagonist richtig entscheiden wollen, bis ihm ein befreundeter Medizinstudent eine in der Entwicklung befindliche Pille zusteckt, die seine als Krankheitssymptom erkannte Unentschlossenheit heilen soll. Und das hat der von inzestuösen Gedanken gepeinigte, von den Terroranschlägen unterbewusst aus der Bahn geworfene junge Mann auch nötig. Die zweite Hälfte dieses im Großen und Ganzen gelungenen Buches tendiert vielleicht ein wenig zu sehr zur Korrektheit, und die Spannung erschöpft sich gegen Ende in der recht banalen Frage, ob der Protagonist nun ein Placebo schluckt oder nicht, aber vielleicht entspringen die zwei unterschiedlichen Buchhälften auch der Unentschlossenheit des Autors.



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aus Intro #143 (Oktober 2006)
 
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