
Wolfgang Burat / Keine Atempause. Phantomschmerz
(hrsg. von Miriam Rodriguez Startz, Parthas Verlag, 115 S., EUR 19,80)
18.09.2006, 13:33, Text:
Felix Klopotek,
Felix Klopotek
Das Einfachste zu sagen wäre: Wolfgang Burats “Keine Atempause” leistet einen wirklich schnellen und hochvergnüglichen Einstieg in die Popmusikgeschichte der 80er-Jahre.
Die Fotos, die der Spex-Mitbegründer zwischen 1980 und 1990 für seine Zeitschrift gemacht hat, sind repräsentativ. Wer fehlt denn eigentlich? Bloß wenige. Die Schwarz-Weiß-Ästhetik ist eindringlich, weil sie so karg ist: An den Fotos fällt auf, wie störend Glamour, der ja nicht selten über grelles Farbspiel funktioniert, sein kann. Die farbliche Reduktion und der Verzicht auf aufwendige Settings (die Musiker werden nicht inszeniert, sie inszenieren sich selbst und werden von Burat wie nebenbei fotografiert) legen den Blick auf die historisch-kulturelle Entwicklung frei: Völlig klar, dass ein Bild aus dem Jahr 1980 sich deutlich von einem sechs Jahre später geschossenen unterscheidet.
Dann ist das Buch gut eingerichtet – mit kompetenten Texten von Heiko Zwirner, Olaf Karnik und Hans Nieswandt und Künstlerbiografien, die die Herausgeberin Miriam Rodriguez Startz besorgt hat.Aber die Fotoauswahl erzählt noch eine andere Geschichte. Von den Bildern, besonders von jenen aus den heroischen Anfangsjahren der 80er, geht eine große Unschuld aus. Nicht nur, weil die Musikerinnen und Musiker (von Peter Hein bis Nina Hagen) noch so unverbraucht sind, es fehlt das Prätentiöse, das Hochgejazzte, kurzum: der Druck, sich auf dem Popmarkt durch aufwendige Inszenierungen und abgefahrene Posen auffällig zu platzieren. Das gilt auch für Burats Arbeit: Vor 25 Jahren gab es nur wenige Medien und folglich nur wenige Fotografen, die, na ja, dem Popunderground verpflichtet waren. Man muss keinen “Stil” herausarbeiten, um sich von konkurrierenden Kollegen abzugrenzen.
Die Szenen waren klein und stärker aufeinander angewiesen: Man denke nur an die Punks, die um 1980 mit Disko, Funk, Soul und Noise experimentierten. Sie kommen bei Burat zahlreich vor.Dass im Indierock die 80er-Retro-Welle immer noch nicht abgeklungen ist, hat auch damit zu tun: mit einem Phantomschmerz, den es zu bewältigen gilt (meistens schlecht). Etwas fehlt. Die Bilder von Burat zeigen, was fehlt.
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