Wolf Haas

Das Wetter vor 15 Jahren

[Hoffmann und Campe, 224 S., EUR 18,95]

18.09.2006, 06:00, Text: Jasper Nicolaisen, Jasper Nicolaisen

Jetzt muss ich aufpassen. Weil: Die “Literaturbeilage” im neuen Wolf Haas – kommt ganz ungustiös rüber. Wobei, auch ein bisschen zum Verlieben, vielleicht. Schwer zu sagen. Und so schön wie die Interviewerin (die personifizierte “Literaturbeilage”) in Haas’ neuem Dialogroman möchte ich ja auch mal umworben werden, gern auch vom interviewten Autoren Wolf Haas selbst, der sehr geistreich und lustig wirkt. Kunststück, er hat sich ja auch selbst reingeschrieben in sein neues Buch. Auf dem Foto im Umschlag sieht er aber dazu noch sehr gut aus, und das wird er ja nicht gerade selbst gemacht haben. Also doch nicht ganz schlecht, dass ich Literaturbeilage bin, deutsche noch dazu, wie auch die Interviewerin im neuen Buch des Österreichers Wolf Haas, das wie gesagt ein Dialogroman ist und, das habe ich noch nicht erwähnt, mit dem Detektiv Brenner aus Haas’ früheren Büchern nicht das Geringste zu tun hat. Obwohl, doch, der fiktive, der interviewte Wolf Haas wird von der Literaturbeilage natürlich auch auf die wahnsinnig erfolgreichen Brenner-Krimis des echten Wolf Haas angesprochen, aber der Haas auch da: sehr nett, sehr souverän. Kann sein, jetzt hab ich schon einen Fehler gemacht, weil die Leute vielleicht denken: der Intro-Typ, verknallt in den Wolf Haas, also: positives Urteil. Aber nein, es ist ein gutes Buch, Foto hin, Foto her.


Eine Frau von der Literaturbeilage interviewt Wolf Haas über sein neues Buch “Das Wetter vor 15 Jahren”, das nicht dieses Buch ist, sondern ein nur fiktives Buch. Das Buch, über das die beiden sprechen, ist eine Liebesgeschichte aus dem wahren Leben, aufgezeichnet vom fiktiven Wolf Haas, in der ein deutscher “Wetten, Dass ...?”-Kandidat durch eine Frage vom Gottschalk an seine österreichische Jugend-Urlaubsliebe erinnert wird, die dieser in ihrer Bergheimat wieder aufspüren möchte. Dann natürlich: Reise in die Vergangenheit, Erinnerungen kommen hoch, aber auch Komplikationen, weil: die Jugendliebe – na, ich will jetzt nicht zu viel verraten, aber in ihrer Bergheimat läuten schon Hochzeitsglocken. Am Ende wird alles ein bisschen gut, und es explodiert ein Berg. Beim Reden über dieses nur fiktive Buch streifen Wolf Haas und die Literaturbeilage im tatsächlichen neuen Buch auch das Verhältnis von Deutschland und Österreich, Literaturkritik und Autoren, Mann und Frau, Oben und Unten, Früher und Heute, bis sie dann endlich doch Du zueinander sagen. Es ist dies ein ausgesprochenes Sommerbuch, was man schon an der gelben Luftmatratze auf dem Titelbild erkennt, und man muss es jetzt schnell lesen, solang noch Sommer ist, oder auch im Winter, wenn man sich erinnern will an den Sommer. Sowohl der nur fiktive als auch der tatsächliche Wolf Haas können übrigens meine Telefonnummer über die Intro-Redaktion beziehen, und wenn nicht in diesem Leben, na, dann wenigstens in dieser Literaturbeilage.



Artikel kommentieren
aus Intro #143 (Oktober 2006)
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]