
Andi Watson
Breakfast After Noon
[Modern Tales, 208 S., EUR 16,90]
21.08.2006, 11:14, Text:
arno raffeiner,
arno raffeiner
Die Hypothek ist zwar noch lange nicht abbezahlt, aber ihr gemeinsames Haus haben Lou und Rob schon bezogen, der Hochzeitstermin ist festgesetzt, das Kind beschlossene Sache. Alle Arrangements für ein einfaches und überschaubares Familienleben des jungen englischen Paares sind getroffen, doch dann wird plötzlich der Geldhahn zugedreht. Im Zuge einer Entlassungswelle wird beiden von ihrem gemeinsamen Arbeitgeber, einer Porzellanmanufaktur in Windsor, gekündigt. Während Lou diesen Einschnitt als Gelegenheit begreift, aus einem ungeliebten Job auszusteigen und sich über Maßnahmen des Arbeitsamts weiterzubilden, will Rob nichts anderes als seinen alten Job zurück. Er kann sich nicht vorstellen, je etwas anderes zu machen, als Tassen zu dekorieren, und verrennt sich mit dieser Sturheit schnell in einen tristen, scheinbar ausweglosen Zustand des Dauervegetierens vor Fernseher und Playstation, die Dose Lager stets in der Hand. So entfernen sich die zwei Liebenden zunehmend voneinander, der finanzielle und private Scherbenhaufen wird größer und größer, und “Breakfast After Noon” entwickelt sich zur Geschichte einer Beziehung auf der Kippe.
Dabei überzeugt vor allem, wie Zeichner und Autor Andi Watson in diesem Comic die beiläufigen Details des Arbeitslosenalltags und der drohenden Verarmung einfängt, wie bedeutsam z. B. eine bestellte oder eben nicht bestellte Vorspeise im Restaurant als Distinktionsmerkmal zwischen Gewinnern und Verlierern plötzlich wird, wie die Angst vor der eigenen, kaum zu begreifenden Situation noch in die kleinsten Abläufe des täglichen Zusammenlebens eingreift und alle gewesenen Sicherheiten als Illusionen entlarvt. Aber vielleicht ist es am Ende gar kein schlechtes Zeichen, wenn Rob seine Zukunft unerwarteterweise im Verwalten eines Scherbenhaufens findet.
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