Marc Spitz

Wann nur wenn nicht jetzt?

[Rockbuch, 381 S., EUR 19,90]

19.06.2006, 08:00, Text: Sonja Eismann
[3 Kommentare]

“Ich heiße Joe Green, und ich liebe die Smiths.” Ist gebongt. Wer möchte diese wunderbare Band nicht lieben? Auch, dass Greens Alter Ego Marc Spitz ein Buch über diese Leidenschaft geschrieben hat, stört nicht weiter. Schon eher der deutsche Titel, der die Song-Anspielung “How Soon Is Never” in ein völlig beziehungs- und aussageloses “Wann, wenn nicht jetzt?” transponiert – wie auch die ganze Übersetzung popfremd dahingehudelt wirkt (oder nennt irgendjemand eine Sitcom auf Deutsch wirklich “Situationskomödie”?). Noch peinlicher ist die mackermäßige Verklärung des Berufsstandes “alternder Rockjournalist”, nach der nun wirklich niemand mehr gerufen hat: “Aber mein Job, für die Zeitschrift Headphones über Rock’n’Roll zu schreiben, lässt den Abstieg um eine Generation und die Blowjobs von Frauen, die noch wissen, was auf ihrer College-Lektüreliste stand, viel weniger grässlich erscheinen, als es sonst der Fall wäre.” Die Idee, eine 80er-Jahre-Sozialisation als Jewish American Prince-turned-Outcast in einer zerrissenen Familie zwischen Long Island und Kentucky anhand der immensen Liebe zu einer britischen Band zu beschreiben, hätte trotzdem noch okay funktionieren können.

Was aber wirklich ärgerlich ist, ist der Umstand, dass Green bzw. Spitz trotz seiner Besessenheit in Bezug auf diese Band, die er mit einer angehimmelten Headphones-Kollegin im neuen Millennium wieder zusammenbringen will, scheinbar absolut nichts von deren Inhalten aufgesogen hat. Nach kurzen Skrupeln werden fröhlich Steaks verschlungen, seine Sexualität bricht sich auf eher widerliche Weise Bahn, und der Protagonist ist offensichtlich die ganze Zeit zu besoffen, um mitzukriegen, dass die Kollegin, die er so hartnäckig mit seiner Liebe verfolgt, echt nichts von ihm wissen will. Schade um die Chance – und nicht mal die Smiths hat er wieder zusammengebracht.



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aus Intro #140 (Juli 2006)
 
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  • Florian L 19.06.2006 | 11:06:51

    Liebe Sonja Eismann,

    es ist ja okay und gut, daß die Menschen verschiedene Geschmäcker haben, aber dennoch finde ich Ihre Kritik ein bisschen daneben.

    Sicher, man kann die von Ihnen zitierte Aussage des "alternden Rockjournalisten" peinlich finden. Und ja, auch die Schwärmerei für die unerreichbare Kollegin mag einem unverständlich erscheinen, aber warum bitte gehen Sie in keinster Weise auf den größten Teil der Geschichte ein, nämlich die Zeit, in der der Protagonist erwachsen wird, sich zuerst zum Punk und dann schließlich zum Smiths-Anhänger entwickelt?

    Doch davon findet sich in Ihrer Kritik nur ein Halbsatz in Schlausprech: "80er-Jahre-Sozialisation als Jewish American Prince-turned-Outcast in einer zerrissenen Familie zwischen Long Island und Kentucky" .

    Wie gesagt: Die Geschmäcker sind verschieden, aber meinen Sie nicht auch, daß Sie neben all dem, was Sie als so extrem negativ und abstoßend an diesem Roman empfinden, auch dem Hauptteil des Buches mehr Aufmerksamkeit hätten schenken können?

    So hat man, wenn man selbst das Buch gelesen hat, den Eindruck, Sie hätten nur die ersten und die letzten 20 Seiten des Buches gelesen. Wenn das so sein sollte, dann wäre das echt schade, weil sie ein wirklich gutes, unterhaltsames Buch verpasst hätten. Finden Sie nicht auch?

  • Florian L 19.06.2006 | 11:18:36

    Ganz davon abgesehen: Die Preisangabe ist falsch. "Wann nur, wenn nicht jetzt" kostet 14.90 € und nicht wie von Ihnen angegeben 19.90 €. Aber vielleicht können Sie das ja noch abändern und berichtigen.

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