
Jakob Hein
Herr Jensen Steigt Aus
27.03.2006, 13:07, Text:
arno raffeiner,
arno raffeiner
Piper Verlag, 134 S., EUR 14,90
Aussteiger sind seit jeher die großen Antihelden der Literatur. Wohl, weil sich dem Aussteigertum bei aller Tragik immer so viel an Romantik, an pathetisch-revolutionärem Gesäusel abringen lässt, ist es als literarisches Sujet so beliebt. Jakob Hein presst nun die Dynamik seines Romans in einen einzigen knappen Aussagesatz, nämlich in den Titel seiner vierten Buchveröffentlichung, und macht doch Schluss mit dem Klischee vom verwegenen Rebellen: \"Herr Jensen Steigt Aus\" - und er steigt nie wieder ein, wäre zu ergänzen.
Jakob Hein treibt seine Geschichte hier um das entscheidende Moment weiter: Er lässt Herrn Jensen auf ganzer Linie aussteigen, nämlich auch aus seiner Rolle als Arbeitsloser, in der er den ganzen Tag lang sinnlos fernsehen müsste.
Nach autobiografisch geprägten Büchern im Zuge des Zonenkinder-Hypes, angefangen mit \"Mein Erstes T-Shirt\", in dem der Autor seine Kindheit und Jugend in der DDR aufarbeitete, ist Jakob Hein mit der stillen und eindrücklichen Studie des Herrn Jensen definitiv in der Literatur angekommen. Da, wo nicht Klischees den Ton angeben, sondern die leise klingenden Dissonanzen des Dazwischen.
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