
Rosa Reitsamer / Rupert Weinzierl (Hg.)
Female Consequences
02.03.2006, 13:37, Text:
Sonja Eismann,
Sonja Eismann
Löcker, 200 S., EUR 15
Endlich mal ein Reader, der die richtigen Kategorien zusammendenkt. Denn dass auch in der Popkultur hegemoniale Ausschlussmechanismen zum Tragen kommen, ist zwar lange bekannt, stößt aber immer seltener auf klar artikulierten Widerspruch. Sexismus und Rassismus sind dabei keine insulären, disparaten Strategien, sondern bedingen und verstärken sich oft gegenseitig - man denke nur an das Paradebeispiel der \"exotischen Schönheit\", die als halbnackter, nicht-weißer Frauenkörper zahllose Soul- und Loungeplattencover ziert. Der Sammelband hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, \"nach Praxen und Strategien gegen die Dominanz von weißer Männlichkeit im Feld der Popularkultur\" zu forschen.
Nicht alle AutorInnen haben sich einer expliziten Verschränkung dieser Felder verschrieben, wenn z. B. Sleater-Kinney von Ulli Mayer und Sushila Mesquita zu ihrem Politik- und Indie-Begriff interviewt werden oder wenn Elke Zobl (Gründerin von grrrlzines.net) und Christiane Erharter den Status quo von feministischen Fanzines, Musiknetzwerken und Ladyfesten referieren, aber jede Kategorie wird dabei implizit mitgedacht. In anderen Beiträgen hingegen geht es ganz ausdrücklich um die Kombination der Unterdrückungsstrategien, die wie selbstverständlich noch um die Komponente Heteronormativität erweitert werden - wenn z. B. Intros Vina Yun über Disco zwischen Gayness, Diva-Image und sexistischer Ästhetik schreibt. Rosa Reitsamer löst mit ihrem Text endlich das Versprechen ein, dass Gender und Race nicht automatisch immer nur \"Frau\" und \"schwarz\" heißen müssen, sondern durchaus auch die Konstruktion weißer männlicher Identitäten hinterfragen dürfen bzw. unbedingt sollten. Schade bei ihrer Analyse der Rollenbilder von Hamburger-Schule-Männern und Britpoppern ist lediglich, dass der Backlash von weißer Männer-Rockmusik, der momentan auf internationalen Kanälen und Bühnen wieder ganz ungebrochen tobt, keinen Eingang mehr finden konnte. Andere Aufsätze wie \"Körperinszenierungen zwischen Pop & Rock\" und \"Zur Konstruktion von Subjektpositionen afroamerikanischer HipHop-Musikerinnen\" widmen sich teilweise einem so weiten Themenfeld, dass kein Raum für grundlegend neue Überlegungen oder Querverbindungen bleibt, sondern im Wesentlichen nur bekannte Popdiskurs-Schlager repliziert werden - aber die haben ja vielleicht auch noch nicht alle gehört.
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