
Bret Easton Ellis
Lunar Park
02.03.2006, 13:33, Text:
Sascha Seiler,
Sascha Seiler
KiWi, 464 S., EUR 22,90
Identitätsfragen und das Spielchen mit dem Fiktionsbegriff stehen im Mittelpunkt des ersten Viertels von Bret Easton Ellis' neuem Roman, \"Lunar Park\". Danach kommt Stephen King zu Besuch, und das Buch endet in einem Desaster, wie es die Literaturwelt in den letzten Jahren bei einem im Grunde renommierten Autor selten erlebt hat. Immerhin, der Anfang von \"Lunar Park\" ist furios: Ein Ich-Erzähler namens Bret Easton Ellis berichtet von seinem Leben nach dem plötzlichen Ruhm, den der Romanerstling \"Unter Null\" gebracht hat: Koks, Alkohol, Frauen, jedes noch so abgedroschene Klischee, das man in den letzten zwei Jahrzehnten mit der öffentlichen Figur Bret Easton Ellis in Verbindung gebracht hat, wird genüsslich breitgetreten.
Plötzlich ist Bret Easton Ellis, dem Autor, nichts mehr peinlich: mordende Stofftiere, plötzlich herumlaufende Romanfiguren, das Kind an sich als allwissendes, bedrohliches, doch letztendlich erlösendes Wesen. \"Lunar Park\" liest sich wie ein Best-of aus Kings 80er-Jahre-Romanen. Wäre es doch wenigstens Kings kurze postmoderne Phase in den 80ern gewesen, bei der Ellis sich bedient, aber nein: hinein in die abgegriffenen, langweiligen Horrorplots, die natürlich so gesehen rein metaphorisch sind und die langweiligste Frage der Welt stellen: Ist das alles ECHT, oder ist der Protagonist etwa WAHNSINNIG?
\"Warum? Warum tut er das seinen treuen Lesern an?\" mag man da laut schreien. Der Vorgängerroman \"Glamorama\", hier und da verrissen, aber dennoch ein großartiges Werk, der das Thema Terrorismus zwei Jahre vor 9/11 in den Mittelpunkt stellte, war so reich an Ideen und Originalität, dass man für \"Lunar Park\" Großes erwarten durfte. Aber \"Lunar Park\" ist leider, zumindest ab ca. Seite 80, billigster, moralisierender Schund.
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