Stefan Hoffmann, Karsten Tomnitz

Rare Soul – Das Who Is Who Der Soul Ära

28.02.2006, 18:34, Text: Klaus Walter, Klaus Walter

Die erste Velvet-Underground-LP haben ja nicht viele Leute gekauft, aber wer sie gekauft hat, hat sofort eine Band gegründet. Ähnlich verhält es sich mit einem Artikel, der 1984 in der Spex erschien. Viele haben ihn nicht gelesen, aber wer ihn gelesen hat, wurde (Northern-) Soul-Fan. Einer davon ist Stefan Hoffmann: \"Die Initiation war ein Rückblick von Gerald Hündgen und Clara Drechsler auf die englische Northern-Soul-Szene der 70er. Da war ich dann Feuer und Flamme.\" Eine Spätfolge der Initiation ist \"Rare Soul - Das Who Is Who Der Soul Ära\". \"Mainstream-Soul-Lexika gibt es auf dem angloamerikanischen Markt genug, aber Rare Soul, Northern, Modern, Sweet und Two Step finden da nicht statt.

Diese Lücke wollten wir schließen und einen Kanon der beliebten Rare-Soul-Stücke abbilden\", sagt Hoffmann. Zwischen \"rar\" und \"Kanon\" sehen sie keinen Widerspruch. Rare Soul habe sich als \"Sammelbezeichnung für alle Genres und Lieblingsplatten der Soulsubkultur durchgesetzt\". Diese Soulsubkultur arbeitet ja akribisch an der Kanonisierung ihrer ästhetischen Neigungen. Keine andere Szene kennt einen so strengen Stilkodex wie die gealterten Mods, die sich Woche für Woche auf Allnightern in zu eng gewordene Anzüge zwängen. Vom analen Sammlerwahn und Labelfetischismus der Soulbuchhalterkaste sind die Autoren nicht befallen. Sie wollen ihr Wissen teilen und begreifen ihr Lexikon als Orientierungshilfe für Einsteiger. Bei rund 700 Einträgen lernen aber auch Aficionados neue Namen kennen. Dass trotz der Datenmenge ein lesbares Buch entstanden ist, liegt daran, dass die Autoren wissen, warum sie Feuer und Flamme sind für den Soul. Karsten Tomnitz: \"Es ist die spezifische Situation, in der die Musik entstanden ist. Nimm Southern Soul, der zutiefst rassistische Süden, weiße Studios, schwarze Musiker, die Leidensgeschichte der Afroamerikaner. Das ist ein Konglomerat, das so nur dort in dieser historischen Situation entstehen konnte, daher hält die Faszination bis heute.\"



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aus Intro #136 (März 2006)
 
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