John Fahey

Blaugrasmusik. Erzählungen Aus Den Vorstädten

28.02.2006, 18:18, Text: Martin Büsser, Martin Büsser

Edition Suhrkamp, 222 S., EUR 10

Bislang war der 2001 verstorbene John Fahey hierzulande nicht als Schriftsteller bekannt. Aber lässt sich sagen, dass er als Musiker wirklich bekannt war? Verehrer wie Jim O'Rourke und Sonic Youth haben sich eher erfolglos darum bemüht, auf die Einzigartigkeit dieses Gitarristen hinzuweisen, der seinerseits ein Leben lang versuchte, andere Künstler vor dem Vergessen zu bewahren. Faheys Liebe gehörte der amerikanischen Musik vom Beginn des 20. Jahrhunderts, dem Gospel, Blues und Bluegrass, jene von Fahey als \"American primitive\" bezeichnete Musik, die sein Kollege Harry Smith auf der \"Anthology Of American Folk Music\" zusammengetragen hat.

Wie kein anderer verarbeitete Fahey diese frühe Einwanderer-Musik auf seiner Gitarre, ohne dabei je wie Leo Kottke ins Gefällige zu driften. Aber dass Fahey auch schreiben konnte, wussten bislang nur wenige. Und wie er schreiben konnte! Die von Karl Bruckmaier hervorragend schnodderig übersetzten Kurzgeschichten lesen sich wie seine Musik: Tänzelnd, verspielt, frech, ungewaschen und vulgär erzählen sie von der eigenen Kindheit in der amerikanischen Provinz. Herausgekommen ist beinahe so etwas Sensationelles wie Mark Twain fürs ausgehende 20. Jahrhundert. Fahey beschreibt den ganzen Wahnsinn der amerikanischen Provinz, die Misshandlung durch den eigenen Vater, Rassismus und Nazi-Kult, letztlich also einen einzigen Reigen an gebrochenen Existenzen, und vermittelt bei aller Abrechnung doch das typische Huckleberry-Finn-Gefühl, dass dennoch irgendetwas dran sein muss, an diesem Traum von Amerika.



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aus Intro #136 (März 2006)
 
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