Jochen Schimmang

Auf Wiedersehen, Dr. Winter

22.11.2005, 17:41, Text: Marc Degens, Marc Degens

Tisch 7, 204 S., EUR 18,50

Die zwischen sechs und achtundsechzig Seiten langen, nahezu klassischen sieben Erzählungen beschreiben vornehmlich Randexistenzen. Frank, den geistig zurückgebliebenen Gärtnereihilfsarbeiter, der das Leben trotz aller Unglücke so Mut spendend meistert. Die Fotografin Marlou, die Anfang der 80er-Jahre in der Kölner Künstlerszene ein Star war, bis sie plötzlich Hals über Kopf verschwand und in der Provinz untertauchte. Doktor Winter, der seinen Lebensabend im fremden, gleichzeitig so vertrauten Amsterdam verbringt und bereits zwei geliebte Frauen überlebte. Es sind sieben meisterhaft geschriebene Geschichten, nachdenklich, gefühlvoll und lebensbejahend, die sich gegenwärtig und neugierig großen Themen stellen: dem Altern, dem Scheitern, dem Abschied, dem Tod.

Es ist schwer, dafür die richtigen schriftstellerischen Mittel zu finden - zu oft verwandelt sich Schmerz in Wehleid, Romantik in Kitsch, Sehnsucht in Nostalgie. Jochen Schimmang, der 1948 geboren wurde und 1997 mit \"Ein Kurzes Buch Über Die Liebe\" einen der schönsten und traurigsten Liebesromane der letzten Jahre vorgelegt hat, verfügt über das geeignete Rüstzeug. Seine seit 1979 erschienenen elf, oft übersehenen Romane und Prosasammlungen gehören zum Besten, was die deutsche Literatur in den letzten drei Jahrzehnten hervorgebracht hat. Und der Ruf der deutschen Literatur wäre wesentlich besser, wenn mehr Menschen Jochen Schimmangs Bücher lesen würden. Dem Erzählungsband \"Auf Wiedersehen, Dr. Winter\", der soeben im jungen Kölner Verlag Tisch 7 erschienen ist, kann man auch aus diesem Grund nicht genug Leser wünschen.



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aus Intro #134 (Dezember 2005 / Januar 2006)
 
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