Die Geschichte Der Liebe
24.10.2005, 12:02, Text:
Kerstin Fritzsche,
Kerstin Fritzsche
Rowohlt, 352 S., EUR 19,90
Nicole Krauss ist die Frau von Jonathan Safran Foer. Dass das auch literarisch große Schatten wirft, beweist sie mit ihrem ersten Roman auf Deutsch. Mit dem Buch-im-Buch-Prinzip und gleich zwei Ich-Erzählern wird die Geschichte eines Buchmanuskripts auf seiner Reise von Polen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs bis ins heutige New York erzählt. Denn \"Die Geschichte Der Liebe\" ist auch der Titel eines Romans, den Protagonist Leo vor sechzig Jahren zum Ausdruck seiner Liebe für eine Frau geschrieben hat, mit der er nach der Flucht vor den Nazis in Amerika nie wieder zusammen sein konnte.
Da seine Alma nun schon tot ist, begreift Leo, dass das Buch ebenso gut der Schlüssel zu seinem Sohn sein könnte, der dieser Verbindung entstammt und seinen richtigen Vater nicht kennt. Leo besitzt aber keine Kopie mehr und möchte jene wiederhaben, die er bei einem Freund hinterlegte. Er kann nicht ahnen, dass dieser in der Zwischenzeit das Buch unter seinem Namen auf Spanisch veröffentlicht hat; ein Umstand, dem die zweite Ich-Erzählerin, die 15-jährige Alma, ihren Namen zu verdanken hat. Weil ihren Eltern einst das Buch so viel bedeutete, trägt sie den Namen der Protagonistin. Qua Geburt für die Besonderheit des Buches sensibilisiert, macht sich Alma auf die abenteuerliche Reise, dessen Autor ausfindig zu machen. Vom kitschigen Titel und Cover nicht abschrecken lassen: Krauss ist eine Meisterin der Rollenprosa. Durch die Gedanken und Taten ihrer beiden Protagonisten vermag sie viel Gefühl und Historik auszudrücken, sodass man neben spannenden Familiengeschichten auch jüdische Kultur vermittelt bekommt. Den ehelichen Dichterwettstreit hat eindeutig Krauss für sich entschieden.
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