Hans Jürgen Balmes, Jörg Bong, Helmut Mayer (Hg.)

Neue Rundschau – Shuffle Songs

24.10.2005, 11:55, Text: Frank Schuster, Frank Schuster

S. Fischer, 166 S., EUR 10

Die viel beschriebene Rückkehr des Songs spiegelte sich zuletzt auch im inflationären Erscheinen von Anthologien zum Thema wider. Nach Bänden wie \"Mein Lieblingslied\" (Krüger) oder \"Mein Song\" (ars vivendi), in denen deutschsprachige Autoren über ihr ganz spezielles Verhältnis zu ihrem jeweiligen Lieblingstitel schrieben, knüpft jetzt die altehrwürdige, 1890 gegründete Literaturzeitschrift des S.-Fischer-Verlages, Neue Rundschau, daran an. In der aktuellen Ausgabe loten internationale Autoren aus, was im Editorial wie folgt beschrieben ist: \"Wir reisen mit Songs, Liedzeilen, Akkord-Splittern, halbvergessenen Versen, verlorenen Refrains - Soundtrack unseres Lebens, Inneneinrichtung unserer Gefühle, Zeitmaschinen für unsere Gedanken.\" Der New Yorker Chuck Klosterman stellt Überlegungen an zum richtigen Song für einen Selbstmord.

Der Engländer Adam Thirlwell, der im vergangenen Jahr mit seinem Debütroman \"Strategie\" für Furore sorgte, reflektiert, ausgehend von \"Darkness\" der französischen HipHopper Saïan Super Crew, darüber, ob es überhaupt wichtig ist, den Text zu verstehen - eine Hommage an den tschechischen Sprachforscher Leo Janacek und dessen Transkriptionen gesprochener Sprache. Der Ire Joseph O'Connor erinnert sich an die Wucht, die er als junger Punk erfuhr, als er erstmals Patti Smith hörte. Und der Argentinier Rodrigo Fresán gibt einen bewegenden Bericht über sein persönliches Fan-Verhältnis zu Bob Dylan. Besonders lesenswert aber ist ein erstmals auf Deutsch abgedrucktes, langes und gründlich geführtes Interview zwischen Jim Jarmusch und Tom Waits aus dem Jahr 1992.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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