
Will Eisner
Das Komplott. Die Wahre Geschichte Der Protokolle Der Weisen Von Zion
24.10.2005, 09:59, Text:
Matthias Schneider,
Matthias Schneider
DVA, 152 S., EUR 19,90
Keine leichte Aufgabe, die sich Will Eisner mit seinem Comic \"Das Komplott\" gestellt hat und die ihn über 20 Jahre, bis kurz vor seinem Tod im Januar dieses Jahres, in ihren Bann zog. Doch wie kommt es, dass die Zeichnerlegende, dass der virtuose Lenker des Comic-lesenden und -sehenden Blicks, der in den 50er-Jahren mit seiner Detektiv-Comicserie \"The Spirit\" für wegweisende Innovationen im Medium der Schriftbildlichkeit sorgte und mit seinen Büchern \"Comics And Sequential Art\" und \"Graphic Storytelling\" Standardwerke der Comictheorie schuf, zwei Jahrzehnte zur Fertigstellung eines einzigen Comics benötigte?
Mit seinen Mitteln erzählt Eisner die Wahrheit über eine Lüge.
Als Eisner mit der Arbeit an \"Das Komplott\" begann, wusste er um die Unmöglichkeit, mit seinem Comic ein für alle Mal das Gerücht aus der Welt zu schaffen. Diese Aussichtslosigkeit lähmte ihn bei seiner Arbeit und zögerte den Abschluss des Projektes heraus. Doch schlussendlich ließ er sich nicht beirren und nahm den Kampf gegen die übermächtige Hydra der antisemitischen Verschwörungstheorie auf, recherchierte akribisch und trug die wissenschaftlichen Fakten zusammen. Der Comic beginnt mit den historischen Ereignissen und beschreibt das vom Antisemitismus geprägte kulturelle Klima um 1900. Nachdem die \"Protokolle\" durch eine Konfrontation mit Jolys Text als Fälschung deklariert worden sind, kommt die stärkste und zugleich tragischste Stelle des Comics. Nämlich die, an der Zeichner und Autor Eisner seine autobiografischen Erlebnisse bei der Recherche schildert und sich trotz zahlreicher Rückschläge dieser großen Lüge und dem Hass stellt und sie unbeirrt bekämpft.
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