Uwe Timm

Der Freund Und Der Fremde

27.09.2005, 15:45, Text: Frank Schuster, Frank Schuster

Kiepenheuer & Witsch, 175 S., EUR 16,90

Es ist eines der bekanntesten Fotos der BRD-Nachkriegsgeschichte: Ein junger Mann liegt blutend am Boden, eine junge Frau hält seinen Kopf. Man könnte auch sagen: Der von einem Polizisten bei der Berliner Anti-Schah-Demonstration am 2. Juni 1967 erschossene Student Benno Ohnesorg ist einer der berühmtesten Toten der Republik. Oder in den Worten Uwe Timms, der Ohnesorg Anfang der 60er Jahre als schriftstellernden Jüngling am Braunschweig-Kolleg kennen gelernt hatte, wo beide das Abitur nachholten: \"Nicht sein Leben und Schreiben sollten ihn bekannt machen, sondern sein Tod.

So einfach, so banal lässt es sich sagen.\" Wer war dieser Benno Ohnesorg? Bevor er diesen absurden Tod auf der Straße starb, bei einer Demonstration, die er - der unpolitische Anhänger von Apollinaire und Beckett, der sich nicht zu den \"Krawallmachern\" rechnete - dennoch besucht hatte? Der Tote hatte einmal ein Leben, eine Jugend, verbracht als zurückhaltender Außenseiter. Uwe Timm (\"Heißer Sommer\", \"Die Entdeckung Der Currywurst\", \"Rot\") knüpft mit dieser Geschichte an den autobiografischen Vorgänger \"Am Beispiel Meines Bruders\" an. Wie in dem Buch über den Bruder, der sich freiwillig zur SS gemeldet hatte und an der Front starb, thematisiert \"Der Freund Und Der Fremde\" die schwierige Arbeit an dem sehr persönlichen Stoff. Auch die Geschichte über den Freund ist ungeheuer intensiv. Eine wehmütige (nicht gefühlsduselige) Rückschau auf die Aufbruchsstimmung einer jungen Generation im Existenzialistenlook, bevor sie Camus gegen Mao austauschte und zur Tat schritt.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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