
Jan-Frederik Bander, Lasse Ole Hempel, Theo Janßen
Palette Revisited
27.09.2005, 15:42, Text:
Martin Büsser,
Martin Büsser
Edition Nautilus, 190 S., EUR 16,90
Der Gänsemarkt in Hamburg, inzwischen zu Tode saniert, von McDonalds und Pizza Hut in Beschlag genommen. Hier befand sich einmal die Palette, berühmt geworden durch Hubert Fichtes gleichnamigen, 1968 veröffentlichten Roman. Heute würde man die Palette als Szenekneipe bezeichnen, dunkel, verqualmt und voller Menschen, die zwar gerne Künstler oder Schriftsteller wären, es aber nicht auf die Reihe kriegen. Zeitzeuge Cäsar Schwieger erinnert sich: \"Wir versuchten, mit Kerouac und Ginsberg so eine Ideologie aufzubauen, die aber am Ende genauso platt war wie das, was heute eine gewisse Sorte Punks mit ihrem 'Haste mal 'ne Mark' darstellen.\" Trotz dieses negativen Rückblicks war eine solche Kneipe im Deutschland der 1950er-Jahre eine kleine Sensation: Mitten im Wirtschaftswunder-Boom gab es da eine kleine Gruppe verwegener Bohemiens, die es lieber mit der Parole der Situationisten hielt: \"Ne travaillez jamais!\" - \"Arbeitet niemals!\"
\"Palette Revisited\" rekonstruiert anhand von Zeitzeugen ein eindrucksvolles Bild der ersten Gegenkultur im Nachkriegsdeutschland, die selbst noch in ihrer Zeit befangen war: Homosexualität, erfahren wir, wurde in der Palette zwar nicht zur Anzeige gebracht - \"weiter geht die Akzeptanz aber auch nicht.\" Doch dann kam ein schwuler, von allen als höflich bezeichneter Schriftsteller regelmäßig zu Besuch, dessen bis heute berühmtester Roman das Lob auf die Paletten-Kaputtheit mit jenem auf die eigene Sexualität verband.
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen



